Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2580773-10191689--0023-10191663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 ihr Herz veredeln. Man gewöhne die Kleinen bei jeder Sache zu fragen: Was ist das? Warum ist das? Wie macht man das? Warum thul man das? und dergl. Sie werden freilich, denn sie sind Kinder, hundert einfältige Fragen thun, auch hundertmal zur Unzeit fragen. Wir gestehen es zu, daß es wirklich schwer ist, sich in die Denkweise des Kindes zu versetzen, sich zu ihm herabzulassen und es in seinem kleinen Gesichtskreise zu unterhalten. Wollte man aber über die unbedeutenden Fragen der Kinder verdrießlich werden, oder mit Ungestüm sie zur Ruhe verweisen, so würde dieses Verfahren sehr ungerecht sein. Sie werden im Gegentheil vielmehr zu loben, aufzumuntern und ihre Fragen freundlich zu beantworten sein. Eltern müssen sich viel mit den Kindern unterhalten, bei Anfertigung ihrer Lectionen sich oft beschäftigen, und stets für diejenigen Arbeiten, mit welchen die Kinder sich befassen, ein gewisses Interesse blicken lassen; sie müssen ihnen bei jeder Gelegenheit zeigen, wie viel ihnen an ihrem Fleiße gelegen sei. Geschieht dieses nicht, so bilden sich Kinder ein, ihr Lernen sei von keiner großen Wichtigkeit, sie werden lässig und kalt, und der beste Lehrer wird nicht im Stande sein, den Kindern eine rechte Lust zum Lernen beizubringen.*) Eltern müssen ihren Kindern mit Vorstellungen von der Nothwendigkeit und dem Nutzen des Fleißes nachhelfen und ihnen sagen, wie sie durch den Fleiß geschickte, tüchtige und nützliche Leute werden können, wie sie dagegen durch Lässigkeit ungeschickt, verdienstlos, und in der menschlichen Gesellschaft unbrauchbar bleiben. Dadurch, daß man ihnen den Fleiß als eine nothwendige, vortheilhafte und rühmliche Sache vorstellt, muntert man auch diejenigen auf, welche weniger fähige Köpfe haben, daß sie nicht die Lust verlieren, wenn sie ein talentvolleres Kind bemerken, welches ohne viel Mühe mehr Kenntnisse erlangt. Sie begreifen alsdann, daß ihr langsamerer Kopf nur durch angestrengten Fleiß und ernstes Nachdenken dem muntern Geiste folgen kann. Man lasse den Kindern deßhalb auch in frühen Jahren keine Zeit zur Langeweile, sie tödtet ihren Geist und erschlafft ihren Körper. Wir wollen zwar nicht, daß junge Kinder stundenlang an *) Berthold Sigismund - Die Fragen der Kinder.