Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 24)
- Language
- German
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21 Unschuld des Herzens sie begleitet. Man laffe der Jugend ihren Frohsinn und bedenke, wie sehr das Gefühl des Lebensübersiusses sroh macht. Daher der reine wolkenlose Himmel der jugendlichen Empfindungen, welcher die ersten Jahre des menschlichen Daseins umfließt. Sonnenschein ist die gewöhnliche Witterung der Jugend. Scherze, Tänze und Sprünge im frohen Wechsel mit leichten Geschäften und schnellen Sorgen füllen die heiteren Tage aus, welche die zur Freude so sehr geneigte Jugend gibt. Leicht hüpft der eigene Frohsinn der Jugend über die kleinen Unebenheiten, die sich von selbst darbieten, hinweg, und sucht oft geflissentlich größere aus, wo sie Gelegenheit hat die übervolle Kraft zu äußern. Die der Jugend natürliche Auslassung ungehemmter Lebenskräfte ist Vielen schon strafbares Vergehen und mit dem Lebensernst erfahrungsreicher Bedächtigkeit oder erfahrungsreicher Resignation soll die lebhafte Kindheit gemessen daherschreiten, altklug sprechen, pedantisch denken und sich kalt freuen.*) Wird die Jugend zu früh von ihren kindlichen Spielen, von ihren heiteren Beschäftigungen abgezogen, zum fortwährenden fleißigen Lernen, äußerst ruhigen Verhalten und wie alle die Vorbildungen einer frommen Erziehung heißen, angehalten, so bildet sich in ihr eine Hinneigung zum Traurigen, eine Art Schwermuth, ein Sehnen nach Etwas, worüber sie sich nicht auszusprechen vermag. Solche ruhig und tiefsinnig einherschleichende Kopfhänger, welche ohne alle innere Theilnahme bleiben bei den unschuldigen Spielen und Freuden ihrer Genossen, treten uns leider oft entgegen und wir können uns mit diesen ruhigen altklugen Kindern nicht befreunden. Der gesunde, hoffnungsvolle Knabe geht nicht ängstlich mit seinem Leben um. Man sehe ihn. nur an; er geht nicht, sondern er hüpft; springt, läuft; er redet nicht, er schreit, ruft, scherzt, singt und pfeift; er ist fröhlich, freudig und entzückt. Alles ist in ihm vielfaches Leben, und wenn Eltern immer dieses rastlose Thätigsein stören, ihre Kinder stets Hofmeistern und ihnen keine andere Freude gönnen, als die, welche ihnen lothweise zugewogen wird, keine andere Lust, als die zuvor die *) Caroline Rudolphi: Gemälde weibl. Erziehung.