Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
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16 bei demselben gegen den Vater oder die Mutter ein gewisses Mißtrauen; es fängt an, argwöhnisch zu werden; es fängt an, in seiner Liebe einen Unterschied zu machen. Und dieses ist in allen Fällen höchst verderblich. Schwer vergehen sich Eltern, wenn sie entweder gar nicht, oder ohne alle Prüfung und Rücksicht auf die begangenen Fehler strafen; schwerer noch, und leider nicht selten, dadurch, daß sie ein Kind dem andern vorziehen und sich nicht aus begründeten Ursachen, sondern blos aus unbewußter Vorliebe, von der sie oft selbst keinen Grund angeben können, einen Liebling erwählen, dem sie Alles gestatten, und gegen dessen Unarten sie ebenso blind sind, wie sie dessen Artigkeiten durch Vergrößerungsgläser betrachten. Nur eine Ursache können wir gelten lassen, aus welcher zuweilen ein Unterschied gemacht werden kann. Zeichnet sich ein Kind durch gutes Betragen, Fleiß und Liebe aus, da ist's billig, daß Eltern diesem Kinde mit einigem Vorzüge begegnen, und zwar aus dem Grunde, damit die minder gut gearteten den Unterschied deutlich merken, wenn sie die gute Aufführung ihrer Geschwister so vorzüglich belohnt sehen. Nur keinen Liebling erziehe man sich! Gewöhnlich werden solche Lieblinge verzogene Weichlinge, denen es zur Gewohnheit wird, beständig vorgezogen und bewundert zu werden, welche keinen Widerspruch ertragen können, den größten Eigensinn besitzen und in ihren späteren Jahren in der Regel geradezu unleidlich werden. Ein besonderes Augenmerk habe man bet der Erziehung auf den Umgang der Kinder unter sich und mit fremden Personen. Man lasse die Kinder zuweilen in Gesellschaft der Eltern, wenn diese etwa Fremdenbesuch erhalten, oder annehmen werden. Das Benehmen im Umgänge mit Andern ist eine Sache, welche man nicht nach Regeln und abstracter Unterweisung, sondern durch die Uebung und durch das Beispiel lernt. Läßt man die Kinder nie, wenn auch nur auf eine kurze Zeit, in Gesellschaft kommen (im elterlichen Hause), in denen sie ältere und fremde Personen vor sich haben, so können sie auch mit diesen nicht umgehen lernen. Entweder werden sie schüchtern und scheu, oder sie setzen die Höflichkeit und Wohlanständtgkeit