Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
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20 beschäftigt, und der geringste Theil der Erziehung Andern überlassen wird; wenn sie gern die Stunden der Erholung unter ihnen zübringen: sie würden manche angenehme Stunde, manchen freudigen Genuß sich mehr bereiten, wie sie ihn so selten rein und ungetrübt im Gewühle der Welt finden. Kann es ein schöneres Bild geben, als jenes stiller Häuslichkeit, wo der Vater, umgeben von allen seinen Theueren, an der Seite der Mutter, durch unschuldige Spiele und kleine Erzählungen den kindlichen Sinn der Jugend zu erfreuen und zu belehren sucht? — Nicht unterrichten soll der Vater noch die Mutter das Kind, keine besonderen technischen Fertigkeiten und Kenntnisse sollen sie ihm betbringen, jedoch so oft die Gelegenheit^ sich' bietet, Ach mit ihnen unterhalten und sie gern belehren. Man braucht nicht besorgt zu sein, wenn das Kind mit dem fünften Jahre noch nicht lesen, schreiben und rechnen, mit dem neunten Jahre nicht schon in drei Sprachen sich unterhalten kann. Bei einem solchen allzuregen Eifer, die Bildung der intellektuellen Anlagen zum Hauptgeschäft der Erziehung zu machen, untergräbt man die Entwickelung des Körpers, hemmt vielmehr die wahre und richtige Ausbildung des Verstandes, bringt die Jugend um die schönste Zeit des Lebens, macht sie gleichgtltig gegen alle geistige Beschäftigung für die Zeit, wo die Vernunft erst sich zu entwickeln anfängt *). Man glaube nicht, daß wir durch unsere oben ausgesprochene Ansicht die Kinder an Fleiß und an anhaltende Arbeitsamkeit zu gewöhnen, dieselben den ganzen Tag innerhalb der vier Mauern einsperren und ihnen keine Erholung gönnnen wollten. Im Gegentheil sind wir der Ueberzeugung, daß gerade ihre Jahre für die Freude gechaffen, und, ohne daß sie es selbst wissen und erkennen, die glücklichsten ihres ganzen Lebens sind, weil der Friede der Seele und die ° *) Man vergißt so oft, daß das Kind, so lange es zu lernen nicht angefangen hat, keine Sorge kennt und daß mit den Lehrstunden dieselbe erst beginnt. Diese im Kindesalter anhäufen, heißt sie vergrößern und den Frohsinn einschränken, die Ausbildung der physischen Kräfte stören, ohne für die wahre Ausbildung des Verstandes zu sorgen.