Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
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... 15 aber die häusliche Erziehung aus lauter „Humanität", welches Wort, wie so viele schöne und wohlklingende Worte in unfern Tagen, mehr in eines Jeden Mund als Herzen ist, die Strenge ganz verbannt, und die Anregung des Ehrgefühls, Demonstrationen und lange Predigten *) an dessen Stelle setzt, ist gewiß nicht gut zu heißen. Damit sei jedoch nicht behauptet, daß nicht viele Kinder ohne strenge Zucht, durch freundliche oder ernste Worte zu guten und geschickten Menschen erzogen und gebildet werden können. — Wenn Eltern aber in diesem Punkte nicht glücklich sind, und bei der Erziehung ihrer Kinder durchaus ihre Zuflucht zu Strafen nehmen müssen, dann sollten sie wenigstens Ein Herz und Eine Seele sein. Sollte ja öfter das weichere Herz der Mutter, oder ein etwa zur Unzeit gütiges Betragen des Vaters zu viel Empfindlichkeit blicken lassen, so mögen sie doch die Vorsicht gebrauchen, sich nicht in Gegenwart ihrer Kinder darüber zu besprechen, oder zu tadeln, oder durch Mienen und Zeichen sich ihren Unwillen erkennen zu geben. Dies ist der gewöhnliche Fehler vieler Eltern, welcher nur traurige Folgen nach sich zieht. Das Kind, welches seinen Vortheil stets wahrzunehmen weiß, bemerkt dieses gar bald; es entsteht *) Der früher aufgestellte Grundsatz, daß man den Kindern das Gehorchen dadurch erleichtern müsse, indem man ihnen den Grund des Gebotes deutlich mache, und daß man ihnen nichts befehlen dürfe, wovon sie nicht den Grund einsehen, hatte zahlreiche Vertreter. Denn dadurch sagt man, werden die Kinder gewöhnt, ihr Thun und Lassen auf das Allgemeine zu beziehen, das, was sie lassen sollen, als Störung der allgemeinen Ordnung anzufehen, und das, was sie thun sollen, als heilsam für sich und für das Ganze zu betrachten. Allein dieses wird um so weniger gelingen als die Kinder, lieber Andere zu ihrer Handlungsweise herabziehen und wünschen, daß diese nach ihrem Willen leben, als daß sie sich um Andere bekümmern und nach ihnen sich richten. — „Still da! sagte einst ein Mann, da die Knaben mit den Steckenpferden zu viel lärmten, ihr Jungens still! und hört, denn meine Lehre ist gut." „Kann sein, sprach einer, weiß es nicht, geht uns aber nichts an. Da ist ein Pferd; komm, reite mit! dann bist du unser Mann!" Und so sind alle Kinder. Es ist thöricht, sie immer durch Räsonnements leiten, durch Erklärungen regieren, und lang und langweilig belehren zu wollen, wo man das Nöthige kurz und gut befehlen sollte. Einen Erzieher, der bei Allem, was er von dem Kinde verlangt, die Gründe hinzufügt, macht dieses zu einem Schwätzer, einem Wortnarren, wie Pestalozzi sagt.