Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 20)
- Language
- German
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17 bet Seite. Läßt man die Kleinen aber öfter in Gesellschaft der Eltern, bei Verwandten oder Freunden, so kann man ihnen bet solchen Gelegenheiten leichter und besser zeigen, was anständig ist oder einem guten Anstande zuwider lauft. Nur geschehe solches nicht in Gegenwart der Fremden. Nichts ist unangenehmer, als das Betragen der Kinder zu krittsiren, oder sie gar mit Scheltworten zu überhäufen, wenn fremde Personen anwesend sind. Man wird andern Leuten dadurch lästig, welche als stumme Zuschauer wenig Vergnügen dabet empfinden, weil sie das Interesse nicht haben, welches die Eltern hierbei leitet. Wir finden es ungeschickt und tadelnswerth, kleine Kinder, sobald fie anwesende Freunde erblicken, zu Verbeugungen und andern Höflichkettsbezeugungen zu commandtren. Besser ist es noch, Kinder entweder vorher so abzurichten, daß sie es papageimäßtg thun, oder man warte die Zeit ab, bis man ihnen streng gebieten kann, sich höflich und artig zu betragen. Verständige Eltern gönnen den Kindern in den ersten Jahren ihre Freiheit und befreien sie von allem Compltmenttrzwang; in späteren Jahren mache man sie auf gesellschaftliche Regeln aufmerksam und wenig werden Eltern ihren Kindern zu sagen haben, wenn diese zeitig gelernt, sich gegen ihresgleichen höflich zu benehmen. Achte man darauf, daß Geschwister dieselbe Höflichkeit und Gefälligkeit unter sich, wie gegen Andere beweisen. Die tägliche Erfahrung lehrt zwar, daß die Kinder ein weit besseres Benehmen gegen Fremde, als gegen ihre Geschwister beachten. Die Ursache liegt hier nur in dem zu Familiären und in der irrigen Meinung, es habe nichts zu sagen, wenn Geschwister unter sich unhöflich sind und sich gegenseitig kleine Dienstleistungen verweigern. Man gewöhne die Kinder, ungeachtet ihres täglichen Umganges und ihrer engen Verbindung unter einander, sich einander dieselbe Höflichkeit und Gefälligkeit zu erweisen, welche fie Fremden erzeigen würden. Sollen Kinder durch den Umgang gute und edle Menschen werden, so mögen die Eltern sie an ihren Freuden und Gesellschaften öfter Theil nehmen lassen, sie mögen sie durch Gespräche, welche ihnen angemessen sind, zu sich heran ziehen, ihren Verstand aufklären und 2