Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
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4 Jedoch auch jetzt giebt es noch Viele, sehr Viele, welche der Ansicht zugethan sind, daß es zu früh sei, sich mit dem Herzen ganz junger Kinder zu beschäftigen; diese täuschen sich sehr. Gerade in dieser wichtigen Epoche wird die Erziehung entweder aus Saumseligkeit und Bequemlichkeit fast ganz vernachlässigt, oder aus Unverstand 'verkehrt behandelt. Gemüth, Geist und Wille müssen früh schon durch vernünftige Leitung zu harmonischer Fülle, Klarheit und Stärke gebildet werden, so daß wechselseitiges In einandergreifen dieser Trias der menschlichen Seele schöne Früchte trage. Es ist durchaus nicht unsere Absicht, in diesen wenigen Blättern alle Gebrechen der häuslichen Erziehung aufzusuchen und umständlich zu besprechen, noch weniger eine vollständige Erziehungsmethode vorschreiben zu wollen. Im Hinweis auf die vielen Erziehungsschrtften von ausgezeichneten und verdienstvollen Männern wollen wir hier nur einige Hauptmomente einer vernünftigen Erziehung zusammenstellen und auf einige Grundgebrechen der häuslichen Erziehung aufmerksam machen. — Wenn hierbei gleich Manches vorkommt was nicht neu ist, so dürfte es doch nicht am Unrechten Orte stehen und nicht nutzlos sein, indem das Wahre und Gute nicht oft genug gesagt, und insbesondere auf die Fehler bet der Bildung und Erziehung unserer Jugend nie nachdrücklich genug aufmerksam gemacht werden kann. Der höchste Endzweck aller Erziehung ist, den Menschen zu einem nützlichen Mitglieds der Gesellschaft und zu einem glücklichen, weil sittlich-freien, Bewohner der Erde zu bilden. So verschieden auch immer die Absichten sein mögen, welche sich die Menschen im Einzelnen bei der Erziehung ihrer Kinder vorsetzen, so vereinigen sie sich doch alle in dem Punkte, das Glück derselben durch sie zu befördern. Zwar erheben nur wenige ihren Verstand zu jenen allgemeinen und deutlich erkannten Gründen der menschlichen Glückseligkeit, welche die ächte Grundlage der Erziehung sind; sie bleiben entweder bei einseitigen und untergeordneten Zwecken derselben stehen, sie setzen sich Reichthum oder Wohlleben, Ehre oder Gelehrsamkeit dabei zum ausschließlichen Ziel, oder sie folgen mehr einem gewissen dunkeln Naturtriebe und der Gewohnheit, als den Urtheilen einer erleuchteten Vernunft über das