Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
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14 hinlänglich entschuldigten. Haben Eltern nur einigemal Nachsicht, so entsteht bei dem Kinde schon eine gewisse Sorglosigkeit, die zuletzt Nachlässigkeit wird, und in spätem Jahren keine guten Folgen haben kann. Wenn Eltern in der einen Stunde das zurücknehmen, was sie in der andern ernst befohlen, oder wenn das Kind sich nur an die Mutter wenden darf, um die Aufhebung des väterlichen Gebotes zu erwirken, so tragen Eltern immer selbst die Schuld, wenn ihnen die Kinder nicht gehorchen, und handeln ungerecht, wenn sie den Ungehorsam bestrafen. Es ist ein richtiger Grundsatz, den Kindern nicht durch beständiges Verbieten und Verweigern wehe zu thun, und man kann diesen Grundsatz um so leichter befolgen, je weniger man die Kinder mit dem bekannt werden läßt, was man ihnen nicht immer erlauben kann. Viele Eltern und Erzieher gesellen den unbedeutendsten Schritten und Handlungen der Kleinen die längsten Verbote bet, und gebieten das früh und zur Unzeit, was die Kinder später ohne Gebote thun würden. „Bei der Erziehung der Kinder ist nichts ungeschickter und barbarischer als (beständige) Verbote. Ich für meine Person mag lieber in meinem Kreise Fehler und Gebrechen so lange dulden, bis ich die entgegengesetzte Tugend gebieten kann, als daß ich den Fehler los werde, und nichts Rechtes an seiner Stelle sähe." Gleichwohl sollen alle Handlungen der Kleinen im Stillen beobachtet werden, und bet der nie genug zu empfehlenden Wachsamkeit von Seiten der Eltern werden sich dennoch von Zeit zu Zeit Fehler und Unarten an den Kindern zeigen, gegen die man nicht nachsichtig und gleichgültig zu sein, sondern sogleich bei deren Entdeckung mit Strenge und Ernst zu verfahren hat. Wer sein Kind liebt, züchtigt es, damit er sich dessen erfreuen könne, ermahnen uns die Worte des Weisesten der Sterblichen. Mit solchen Grundsätzen der Erziehung, wie sie uns die heilige Schrift angibt, ist unser Zeitalter, welches sich voll Selbstbewußtsein schmeichelt, das humane zu sein, freilich nicht mehr zufrieden; es gestattet eine solche Erziehung nicht mehr, und weist sie in den Kreis der rohen, mit der „Humanität" noch unbekannten Menschen zurück. Wohl den Eltern, deren Kinder durch Ermahnungen und Warnungen zu allem Guten sich antretben und von allem Bösen sich abhalten lassen; daß