Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
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7 jede Gelegenheit willkommen und er führt Anlässe herbei, wo er — absichtlich und als Selbstzweck — auf diese praktischen Vermögen wirken kann. Daß diese Einwirkung allein aber nicht ausreichend sei, braucht eben so wenig bewiesen zu werden, als daß durch Kenntnisse allein noch Keiner reines Herzens und ein edler Mensch geworden ist. Diese in unsern Tagen beinahe allgemein erkannte Wahrheit wollen wir an Einigem Nachweisen. Die höchst mögliche Bildung des Geistes und des Herzens innerhalb der Schuljahre zu erreichen, ist der fromme Wunsch und das unausgesetzte Streben eines jeden treuen und gewissenhaften Lehrers; es fehlt demselben jedoch die dazu erforderliche Zeit, zumal wenn und wo sich die Unterrichtsgegenstände im Berhältniß zu der ihnen zu widmenden Zeit zu sehr vermehrt haben um den Schüler gemüthlich, und besonders um ihn genügend sittlich zu bilden. Denn die sittliche Bildung geht eigentlich von Uebung und Gewöhnung aus: diese herzustellen erfordert längere Zeit. Ferner ist das Derhältniß des Lehrers zu dem Schüler so beschaffen, daß er nur Gelegenheit hat, einige sittliche Vorzüge dem Schüler anzubilden, daß seine Einwirkung sich aber nicht unmittelbar, gestaltend und bildend auf alle praktischen Anlagen des Zöglings erstreckt. So kann der Lehrer den Schüler wohl zur Ordnung, Regelmäßigkeit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit anhalten — und nicht einmal diese Tugenden wird er ohne feste, stetige, häusliche Mitwirkung ihm ganz eigen machen können — aber kann er ebenso ihn auch gewöhnen, gerecht, mäßig, uneigennützig re. re. zu werden? Man sagt freilich, der Geist der Schule müsse religiös sein, damit das Gemüth des Schülers eine religiöse Weihe erhalte; wohl wahr, aber die Schule allein? Der religiöse Geist soll vom Leben aus die Schule, er kann jedoch nicht unter jeder Bedingung von der Schule aus das Leben durchdringen. Noch nie ist ein Mensch durch Schulbildung allein religiös geworden. Die Schule kann die religiösen Gesühlsstimmungen wohl anregen und begründen: sie lebendig zu erhalten und über das ganze Dichten und Trachten des Menschen auszudehnen, die Hauptsache, das vermag nur das häusliche Leben. Für die Bildung des religiösen Gefühls hat also die Schule viel von dem Leben, dieses aber nicht in gleichem Maße von der Schule zu erwarten,