Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2580773-10191689--0018-10191658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beziehung zu Gott. Sobald das Kind zu dem Bewußtsein gelangt, daß ein Gott ist; versteht es schon die Sprache und ist mit den es umgebenden Dingen bekannt: so sagt ihm, daß ein Gott ist, welcher ihr gütiger Schöpfer, Freund und Wohlthäter sei, daß Gott es sei, welcher zu der Kinder und aller Menschen Freude die Blumen des Gartens blühen, zum Genüsse die Früchte der Bäume reifen, und zur Betrachtung den Auf- und Niedergang der Sonne erscheinen und zur Anbetung und Bewunderung seiner Allmacht den Donner und den Blitz in den Wolken fich zeigen lasse. Man braucht das Kind keinen Katechismus auswendig lernen zu lassen oder sein Gedächtniß mit vielen Sprüchen zu beschweren. Bloß diese wenigen Wahrheiten, einige biblische Erzählungen aus der Schöpfungsgeschichte und dem ersten Buche Mose, werden der Seele des Kindes ebenso nützlich wie angenehm sein und seinem Verstände zur Aufklärung dienen. Jeden Genuß von Speise und Trank, jede Freude lerne es als ein Geschenk Gottes betrachten und seine Seele wird gegen den gütigen Schöpfer mit kindlicher Liebe erfüllt werden. So früh als möglich richte man den Blick des Kindes himmelwärts, und mache es darauf aufmerksam, daß alles Gute und Angenehme, was es von seinen Eltern erhält, aus der Segenshand Gottes kommen dem wir durch Vertrauen, Liebe und Dankbarkeit und durch freudigen Ge-- horsam gefallen, durch Murren, Undankbarkeit und Ungehorsam aber mißfallen. Wenn die Mutter, sagt ein einsichtsvoller Erzieher, dem Herzen des Kindes durch ihren gefühlvollen Einfluß die Weihe gibt, so legt der Vater durch seine verständige Belehrung ihm gleichsam die Hand zur Bestätigung auf, und so geleitet durch Beide wächst der junge Sprößling, wie an Alter, so an Weisheit und Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen. So heilsam und segenbringend es nun ist, die Kleinen zu Gott zu führen, ebenso wenig möge bei der Erziehung die Einflößung richtiger Gesinnungen gegen Eltern, Lehrer und Vorgesetzte verabsäumt werden. Den Eigensinn und die Herrschsucht, die Wurzel des Ungehorsams, muß man in der Kindheit zu unterdrücken suchen. Kinder müssen gehorchen lernen und strenger Gehorsam muß unverzüglich von ihnen geübt werden. Mau lasse keine Zögerung stattfinden, es müßten denn Ursachen vorhanden sein, welche dieselbe