Mannheim
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  1. 1896-01-01 · 14.1896 · page 1

    Vierzehnter Berieht über die Lehranstalt für die Wissensehaft des Judenthums in Berlin erstattet vom Curatorium. Vorangehen 1) Zur psychologischen Grundlage der Unterrichts-Lehre von Prof. Dr. Steinthal. 2) Die Trauerrede an der Bahre des v…

  2. 1896-01-01 · 14.1896 · page 2

    I. Psychologische Hypothesen. 1) Die Seele steht in engstem Zusammenhange mit dem Leibe, und wir wissen vou derselben nur so viel, als uns durch den Leib verraten wird. 2) Es ist namentlich und zunächst die Nerven-Organisation des Leibes (d…

  3. 1896-01-01 · 14.1896 · page 3

    des Zusammenhanges der sensitiven und der motorischen Nerven in pathognomischer Weise durch Lachen und Weinen, Jauchzen und Stöhnen, Erblassen und Erröten und körperliche Verstimmung aller Art. Das Begehren äussert sich zunächst in Bewegung…

  4. 1896-01-01 · 14.1896 · page 4

    ducirte), Warnehnmng sein oder auch ein höchst allgemeiner Begriff: dies sind logische Unterschiede. Dass wir von Begriffen wie von Anschauungen psychologisch reden, geschieht doch nur, insofern ein Act der Seele dieselbe bewusst macht, der…

  5. 1896-01-01 · 14.1896 · page 5

    — 4 — indem sie aus der Ganzheit des Baumes ausgelöst werden, sogleich in dieselbe zu ihrer Erfüllung zurückkehren. So ist die Warnehmung, wenn sie vollzogen ist, intuitiv, aber nur discursiv kommt sie zustande. c) Wir denken in Wörtern, mö…

  6. 1896-01-01 · 14.1896 · page 6

    — 5 — Inhalt eines solchen Begriffes wie Tier, Pflanze. In allen Einzelheiten kann er niemals, da er immer nur Erinnerung sein kann, die Bewusstheit gleichzeitig erlangen. Bewusst wird er nur discursiv; aber durch ein Wort als ein gesamtes …

  7. 1896-01-01 · 14.1896 · page 7

    gesehen haben, und wir associiren das Fremd-Wort mit dem einheimischen, eine historische Tatsache mit einer chronologischen Zahl, die selbst willkürlich gewonnen ist. 22) Sind nun a und b associirt, so kann zwar sowohl a durch b, wie b durc…

  8. 1896-01-01 · 14.1896 · page 8

    II. Appereeption. 26) Mit Appereeption bezeichnen wir den teils einfachen, teils höchst verwickelten Prozess unter mindestens zwei Vorstellungen, welcher dadurch entsteht, dass eine gegebene Vorstellung oder Vorstellungsgruppe auf eine vom …

  9. 1896-01-01 · 14.1896 · page 9

    Eindruck, der meist die passive Rolle spielt, appercipirt wird; A das innere Bild, das von P reproducirt ist und ihm entgegenkommt und dasselbe appercipirt, also activ ist). Ist A dem P gleich, so erfolgt (nach § 13. 14) eine Verschmelzung …

  10. 1896-01-01 · 14.1896 · page 10

    32) Kann nun so die schnelle Verschmelzung Unheil anstiften, so ist sie doch meist höchst nützlich; nicht nur das schnelle Lesen, sondern auch das Verstehen des Gesprochenen ist nur dadurch möglich, dass wir nicht Buchstabe für Buchstabe, L…

  11. 1896-01-01 · 14.1896 · page 11

    — 10 — völlige Identificirung der beiden Momente der Apperception wirklich niemals erfolgt; und da andererseits der gemeine, ungebildete Begriff nicht mehr ist als Anerkennung eines Bleibenden im Wechsel von Möglichkeiten der Erscheinung de…

  12. 1896-01-01 · 14.1896 · page 12

    — 11 — Endlich werde die vierte (und letzte) Form der AppeFception 38) genannt, die schöpferische. Im Processe der Apperception selbst wird das appereipirende Element erst geschaffen (nicht bloss im Ergebnis bereichert, wie in der subsumire…

  13. 1896-01-01 · 14.1896 · page 13

    12 — Die Bereitschaft ist also immer eine im Umfange beschränkte; es sind nur gewisse Vorstellungs- Verbände, die in Tätigkeit versetzt werden sollen. Wenn in der Geographie von Europa die Rede ist, mag Asien schweigen. Sie beruht auf dem I…

  14. 1896-01-01 · 14.1896 · page 14

    — 13 — denn um so grösser ist der Verwandtschaftsgrad beider, also die Tendenz ihrer Vereinigung, sei es zur Verschmelzung, sei es zur Verbindung. 2) Bei Verbänden und Gruppen ist es wichtig, ob die appercipirende Gruppe mehr oder weniger l…

  15. 1896-01-01 · 14.1896 · page 15

    — 14 — 47) Das Interesse überhaupt setzt allemal eine verhältnismässig mächtige, reizbare Vorstellungs- Gruppe, welche ihm dient, voraus; ein herscheudes Interesse bestellt nur mit einer herschenden Vorstellungsgruppe; und je mächtiger eine…

  16. 1896-01-01 · 14.1896 · page 16

    — 15 — 50) Die Aufmerksamkeit an sich ist leer, nur indem sie eine bestimmte Richtung erhält, wird sie erfüllt, bemerkt man. Die ungeleitete Aufmerksamkeit kann zwar, und sogar recht schnell, die Dinge, auf welche sie fällt, erfassen, genüg…

  17. 1896-01-01 · 14.1896 · page 17

    — 16 — dass der Freund einen neuen Rock trägt, dass sein Haar gekürzt ist, weil uns daran nichts liegt. Am Erblassen aber liegt vielleicht viel; deim wir merken daran, dass seine Gesundheit geschwächt ist. (vgl. 26.) 55) Ebenso wenn wir in …

  18. 1896-01-01 · 14.1896 · page 18

    — 17 — als blosse Masse, blosser Stoff; es sind schon manche (wenn auch keineswegs alle) Kategorien der Metaphysik und der Logik gegeben, welche freilich noch nicht bewusst geworden sind: gegeben im Bewusstsein, aber noch nicht für das Bewu…

  19. 1896-01-01 · 14.1896 · page 19

    … Gruppen bilden. 62) Die Redeteile erstlich sind Kategorien, wie sie auch oft genannt werden; d. h. aber nicht, wie bei Aristoteles, dass sie zehn Classen von Begriffen bilden, was sie nebenbei auch tun; sondern dass sie solche Einteilung erst bewirke…

  20. 1896-01-01 · 14.1896 · page 20

    — 19 — fernliegende Stoffe an einander: das tut auch die Kategorie. Jener aber erzeugt nur eine vorübergehende, weil unwesentliche Verflechtung; die Kategorie, das Gesetz stiftet einen constitutiven Zusammenhang, der seine Festigkeit in ein…