Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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— 5 — Inhalt eines solchen Begriffes wie Tier, Pflanze. In allen Einzelheiten kann er niemals, da er immer nur Erinnerung sein kann, die Bewusstheit gleichzeitig erlangen. Bewusst wird er nur discursiv; aber durch ein Wort als ein gesamtes Ganzes vorgestellt, geraten die Einzelheiten seines Inhalts in Schwingung, und das genügt der Intelligenz. 17) Es verhält sich doch auch mit der Warnehmung häufigst nicht anders als mit der Anschauung und dem Begriff. Nur wenn die erste durch einen Sinn, Auge oder Ohr, gegeben ist, kann sie in allen Teilen gleichzeitig im Bewusstsein stehen; aber wenn wir z. B. Zucker in einer Dose warnehmen, so bleibt die Härte, Schmelzbarkeit und Süsse schwingend, und doch werden letztere mit gedacht, wie unsre Tätigkeit beweist, indem wir den Zucker in eine Flüssigkeit werfen. (Vgl. 33.) 18) Der Begriff beruht auf Warnehmung; sein Inhalt ist teils anschaulich (aus der Warnehmung stammend, empirisch) teils logisch (§ 16). Aber auch die Anschauung ist nicht ohne logisch-metaphysische Momente; denn sie ist nach den Kategorien von Ding und Eigenschaft, Wesentlichem (Bleibendem) und Unwesentlichem (Wechselndem) gebildet. Die Idee (z. B. die höchste, die der Gottheit) ist zwar ebenfalls aus empirischen Anschauungen herausgeschaffen, aber nur nach Analogie der Begriffe gebildet, nicht auf Warnehmung gegründet. So die Idee des Schöpfers nach der Analogie des menschlichen Schaffens, der Freiheit aus dem Gegensatze der Gebundenheit u. s. w. So nennt man auch jeden Typus, z. B. einer Pflanze, aus welchem sich durch Metamorphose eine Fülle von Gestalten ableiten lassen, eine Idee; und so meine ich, dass Anatomie und Physiologie der Pflanze oder des Tieres uns den Begriff Pflanze und Tier geben, dagegen die systematische Classification derselben nebst der Tier- und Pflanzen-Geographie, mit der Geschichte derselben auf Grund geologischer Betrachtung und darwinistischer Methode die Idee der Pflanze und des Tieres darstellen. 19) Alle Vorstellungen sind Producte der Analyse der Warnehmungen. Weil die Elemente der letztem nur discursiv bewusst werden, wie Blatt, Wurzel, hart, süss, so werden sie es in Vorstellungen, und zwar nicht ohne Beziehung zum Ganzen, aus dem sie analysirt werden, also auch nicht ohne (wenigstens schwingende) Mitwirkung von Kategorien, wie Ganzes und Teil, Gestalt und Glied, Ding und Gebrauch und Eigenschaft, Organismus und Organ und Wirksamkeit. Wie bei der mechanischen Teilung des wirklichen Dinges die Vorstellung nicht ebenfalls geteilt wird, sondern bleibt wie sie war, nur dass von den entstandenen Stücken und dem Bruch selbst neue Vorstellungen entstehen, so bewart auch die neue Vorstellung, die nach irgend einer Kategorie aus einer altera Vorstellung ausgelöst worden ist, die in dieser Kategorie, also in beiden Vorstellungen selbst, liegende Beziehung. . So erklärt es sich, dass jede Vorstellung sowohl zur Mutter-Vorsteliung, aus der sie stammt, als zu allen Schwester-Vorstellungen eine so innige Verwandtschaft zeigt, dass, sobald sie ins Bewusstsein getreten ist, sie Mutter oder Schwestern in das Bewusstsein nach sich zieht, und dass sie von denselben ins Bewusstsein nachgehoben wird. Dies ist die Association der Vorstellungen, beruhend auf dem Verbindungsmerkmal, d. h. auf der besonderen Beziehung derselben, mit welcher sie aus dem alten Verbände der Warnehmung analytisch gewonnen ist. Wie sie ausgelöst ist, so strebt sie auch nach Wiedcr-Vereinigung; und da das Bewusstsein eng ist, so muss sie der herangezogenen Vorstellung vom Ganzen oder einem Neben-Teil Raum geben und aus dem Bewusstsein treten. Das muss sie auch wohl deswegen, weil das Beharren im Bewusstsein eben eine Tätigkeit des Intellects ist, welche ebenso bald ermattet, wie die Anstrengung, ein Glied des Körpers längere Zeit in derselben Lage zu halten. 20) Die Association bewirkt also eine zeitlich reihenweise durch das Bewusstsein hindurchziehende Kette von Vorstellungen, stellt also die ganz subjective Seite dar, während die objective Seite in der Verbindung gegeben ist. Daher ordnet sich jede Assoeiations-Reihe augenblicklich nach den vielfältigen Richtungen eines Vorstellungs-Verbandes (aus der etwaigen Reihe: „Gold, gelb, biegsam, schwer, selten, brauchbar, kostbar" . . . bildet sich der Verband „Gold")* *21) Weil die Association subjectiv ist, nur für das Bewusstsein Geltung hat, so ist sie erstlich das Mittel zur Verbindung, und kann zweitens auf Zufälligkeit beruhen und willkürlich hergestellt werden. So erinnern wir uns einer Person in einem Räume, in welchem wir dieselbe zuerst