Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 18 — den ersten Anhalt an der Formalität der Grammatik findet. Die Redeteile und ihre Flexions-Formen sind es, an denen der Lehrer die Elemente der Form des Denkens lehrt. So kommen wir zu einer dritten Weise des Zusammenhanges der Vorstellungs-Gruppe, welche sich sowol für die Elemente einer Gruppe unter einander (wie die eben betrachtete logische) als auch für den Zusammenhang der verschiedensten Gruppen geltend macht. Sie ist rein formalen Wesens, Mit Gruppen der ersten Constitution liesse sich nur identificirend appercipiren; mit solchen der zweiten auch subsumirend; wie aber kommen die beiden andren Apperceptionen zustande? Offenbar durch Formen, Analogien, Proportionen, welche inhaltlich sehr verschiedene (wenigstens zunächst so scheinende) Gruppen in Verflechtung bringen. Im gewöhnlichen Denken sind es die Redeteile mit allen Flexionsformen und allen einzelnen Form-Wörtern, welche Analogien bezeichnen und analogische Gruppen bilden. 62) Die Redeteile erstlich sind Kategorien, wie sie auch oft genannt werden; d. h. aber nicht, wie bei Aristoteles, dass sie zehn Classen von Begriffen bilden, was sie nebenbei auch tun; sondern dass sie solche Einteilung erst bewirken, oder dass sie die Formen der Processe sind, durch welche ein Begriff oder ein Wort in seinem Inhalt so geformt wird und solchen Wert erhält. Die Kategorien teilen die Warnebmung nicht durch Schnitt oder Bruch oder sonstige äussere Ablösung, sondern durch innere Auflösung. Das Bild des grünenden Strauches, eine durchaus einheitliche Warnehmung, wird zerlegt in die beiden Vorstellungen Strauch und grünen durch die Wirksamkeit der Kategorie Ding nnd Eigenschaft. So erhalten wir Ding-Wörter und Eigenschafts-Wörter, Tätigkeits- Wörter u. s. w. 63) Mit allen formalen Elementen der Sprache verhält es sich ebenso: sie sind Erzeugnisse «iner Kategorie, d. h. einer Form der Gedanken-Verbindung oder einer Begriffs-Gestaltung. Es gehe z. B. jemand mit seinem Vater. Dies ergibt ein Bild, eine Warnehmung. Durch eine innere Teilung wandeln wir dieselbe in Vorstellungen. Dies ist soeben durch mit geschehen. Wir könnten auch sagen: er und sein Vater, oder auch: sein Vater begleitete ihn. Die Wörter mit, und und die verbale Construction sind Formen der Auflösung, Kategorien, Form-Elemente. Alle Sätze, welche die gleiche Form haben, wenn auch den verschiedensten Inhalt, bilden eine Gruppe, welche durch die rein formale Analogie zusammengehalten wird. Durch Bildung solcher Gruppen lernt das Kind das Gesprochene verstehen. Die Form - Wörter und die Form - Elemente bezeichnen eine Analogie, nach welcher der Satz gebaut ist, und nach welcher viele Sätze in Zusammenhang stehen. 64) Nun treibt die Sprache ein für vorschreitende Abstraction notwendiges Spiel, indem sie jene Analogien, Kategorien als Objecte bezeichnet, nämlich als Objecte des Denkens: so Güte neben Gut, Begleitung neben mit, Ermangelung neben ohne u. s. w. Möglichkeit der Verschiedenheit neben entweder oder, Ursache neben durch, weil u. s. w. 65) Es kann nun aber die Frage sein, ob wir in dem eben Bemerkten besonders geformte Constitutionen von Vorstellungs - Gruppen kennen gelernt haben oder nicht vielmehr bloss die Triebe zur Formung der Gruppen. Dann würden wir in Folge solcher Triebe nur eine Verflechtung von Gruppen haben, die inhaltlieh verschieden sind. Dies dürfte zunächst der Fall sein, namentlich im Kinde und im Ungebildeten. Immerhin müsste anerkannt werden, dass neben den inhaltlichen Vorstellungen, welche bewusst sind, auch formale Kategorien sich schwingend befinden. Für die wissenschaftliche Ausbildung aber erhalten ja alle Gesetze, Regeln, Maximen eine Entwicklung ihres formalen Inhaltes, durch welche sie auch selbständige reiche Vorstellungsgruppen bilden: so die Grammatik, die Physik u. s. w. Dasselbe physikalische Gesetz macht sich in den verschiedensten Stoffen geltend. Ist nun aber der Stoff für diese formalen Gruppen gleichgültig, so bedürfen dieselben auch nur weniger Stoffe-als Beispiele der Form. Zur Anerkennung aber solcher formalen Gruppen in der Intelligenz bewegt uns auch die Erkenntnis, dass alle Apperception durch Gruppen geschieht, dass unsere Intelligenz nicht etwa in einem Haufen vereinzelter Vorstellungen lebt, sondern in Gruppen. Dadurch aber gelangen wir auch «um entscheidenden Unterschiede zwischen Witz und Kategorie. Der Witz führt, wie man sagt,