Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1896-01-01 · 14.1896 · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
14.1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2273546-2273573--0538-2274307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gesehen haben, und wir associiren das Fremd-Wort mit dem einheimischen, eine historische Tatsache mit einer chronologischen Zahl, die selbst willkürlich gewonnen ist. 22) Sind nun a und b associirt, so kann zwar sowohl a durch b, wie b durch a reproducirt werden, doch nicht immer mit gleicher Schnelligkeit und Sicherheit (z. B. das fremde and das einheimische Wort). 23) Weil aller Warnehmungs-Inhalt zerlegt wird uud sowohl die Warnehmung als Ganzes, wie ihre Teile als getrennte Vorstellungen durch einzelne Wörter für das Bewusstsein dargeboten werden: so kann eine Warnehmung niemals (oder nur ausnahmsweise, unter Bedingungen) durch ein Wort ausgedrückt werden; sondern wir brauchen dazu mindestens zwei Worte, davon eines (das Subject) das Ganze, den Verband, darstellt, das andere irgend eine aus demselben gelöste Vorstellung (das Prädicat). Da jede Teil-Vorstellung abermals geteilt werden kann, so kann jede relativ und gelegentlich als ein Ganzes gelten, wie ja auch umgekehrt streng genommen, alle Vorstellungen Teile aus einem umfassenden Ganzen sind: das Blatt kann selbstständig als Subject auftreten, und der Baum ist nur Teil eines Bildes mit Boden und Hintergrund. 24) Es kommt auch vor, dass Verband-Vorstellungen, die als Ganzes gar nicht oder nur mit geringer Kraft associirt wären (weil sie gar nicht aus einander, sondern aus verschiedenen Ganzen neben einander entstanden sind), doch gewisse Einzel-Vorstellungen gemeinsam haben; wie auch umgekehrt, dass zwei Verband-Vorstellungen meist dieselben Einzelheiten enthalten und nur durch wenige Merkmale verschieden sind: so nennen wir sie mit einander verflochten. Diese Verflechtung mag auf unwesentlichen Momenten beruhen oder auf wesentlichen; in diesem wie in jenem Falle besitzt sie Associationskraft, d. h. die verflochtenen Verbände können einander reproduciren. Das ist unsrer Erkenntnis nützlich, wenn die Verflechtung durch wesentliche Momente hergestellt ist: dann mag sie auch Verschmelzung zulassen und eine begriffliche Zusammenfassung veranlassen; sie ist aber schädlich, wenn sie, obwohl durch unwesentliche Momente hergestellt, doch diese Wirkung hat: dann erzeugt sie Irrtümer: Fälschungen der Warnehmung, Verwechslungen. Sie kann also Folge unvollkommener Warnehmung sein, indem man das Ungleiche in den beiden Warnehmungen nicht sieht; oder sie beruht auf feischer Schätzung des Ungleichen. 25) Endlich ist der Hemmung der Vorstellungen zu gedenken. Eine Vorstellung wird, obwohl assocürt, durch eine andere, welche durch grössere Associationskraft im Bewusstsein ist oder in dasselbe eintritt, gehemmt, d. h. von der Bewusstheit ausgeschlossen. Dies geschieht vorzugsweise bei verflochtenen Verband-Vorstellungen, wenn nur das eine verflechtende Moment durch Association bewusst werden könnte, aber durch die anderen nicht associirten Momente des Verbandes unterdrückt wird. Das heisst: man übersieht eine gewisse Aehnlichkeit zweier Dinge (Verband-Vorstellungen), wenn diese auch durch eine wesentliche oder unwesentliche Eigenschaft verflochten sind. Gerade umgekehrt kann die Hemmung Bewusst-Werdung bewirken, wenn ein fortlaufender Associations- und Verschmelzungs-Prozess plötzlich durch die Warnehmung einer Abänderung des Prozesses oder einer Verschiedenheit in den Reihen abgebrochen, gehemmt wird. Dann wird durch solche Hemmung die Ursache derselben und die Veränderung des Zustandes im Bewusstsein besonders beachtet. So bemerkt nicht nur der Müller, der all sein Tun mit dem Klappern seiner Mühle begleitet, den Stillstand der letztern, wenn diese aufhört zu klappern; sondern so lösen sich Verschmelzungen der Vorstellungen, indem ein differirendes Element entdeckt wird, und aus einer Art entstehen Unterarten, wenn nicht eine völlige Verschiebung aus einer Art oder Classe in eine andere eintritt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.