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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1896-01-01 · 14.1896 · page 8

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
14.1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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II. Appereeption. 26) Mit Appereeption bezeichnen wir den teils einfachen, teils höchst verwickelten Prozess unter mindestens zwei Vorstellungen, welcher dadurch entsteht, dass eine gegebene Vorstellung oder Vorstellungsgruppe auf eine vom Innern her auftauchende, also reproducirte, stösst, wodurch notwendig zwischen beiden, und vielleicht in beiden, nach Massgabe der eben dargestellten Verhältnisse zwischen den Vorstellungen, Processe und Veränderungen vorgehen, weil sie beide ihre Geltung behaupten wollen. Dieselben müssen sich vertragen lernen, wenn sie mit einander verschmelzen sollen, um ein einheitliches Ergebnis zu liefern, wozu sie sich erst umgestalten müssen, sich Eins dem Andren aecommodiren muss. Das kann leicht und schnell oder langsam und schwer geschehen. Wenn sie dies nicht tun, so ist das Ergebnis nicht eine Verschmelzung, welche eine dadurch gewonnene Kenntnis enthält, und welche sich in einer positiven Behauptung ausspricht, sondern eine Abstossung, eine Negation, welche ja auch einen Kenntnis-Wert haben kann. Die Appereeption ist nicht etwa das Erzeugnis einer hohem oder intimem seelischen Kraft als alle oben dargelegten Vorgänge zwischen den Vorstellungen; aber sie bezeichnet, soweit es die Vorstellungen betrifft, das wirklich intellectuelle Leben, die concreten geistigen Vorgänge, welche sich durch die obigen elementaren Verhältnisse vollziehen. Die Mitwirkung der Gefühle und des Strebens wird zwar hier nicht auch dargestellt, aber doch immer beachtet, und es wird darauf hinzuweisen sein. Hieraus geht schon hervor, dass alles Lernen, alles Beurteilen in Lob und Tadel, alles Entschliessen, also alle Denk-Vorgänge, als solche, Apperceptionen in den mannichfachsten Formen sind, welche Formen darzulegen Sache der Psychologie ist, und von denen alle angewandten Teile der letztern, wie hier die Didaktik, auszugehen haben. Die einfachste Warnehmung und die höchste Erkenntnis sind sowohl bei ihrer erstmaligen Schöpfung als auch bei ihrer Wiederholung (Erinnerung, Reproduction) Apperceptionen. Ausdrücklich hervorgehoben aber muss werden, dass wie die Prozesse unseres körperlichen Lebens, so auch die unsres Seelen-Lebens unbewusst vorgehen, und so kann auch die Appereeption ganz oder teilweise in ihren Factoren oder in ihrem Ergebnis unbewusst bleiben, oder nur mit schwingenden Factoren arbeiten, aber auch in vollem Bewusstsein vollzogen werden. 27) Zwei Folgerungen sind sogleich hier zu ziehen: erstlich dass, wenn alle intellectuelle Tätigkeit Appereeption ist, der Unterricht darin besteht, Apperceptionen zu veranlassen, zu erleichtem, zu fördern, und zweitens, wenn man schon längst erkannt hat, dass der Unterricht in einer ununterbrochenen Kette von Erkenntnissen gegeben werden müsse, so sehen wir jetzt diese logische Forderung auch in ihrem psychologischen Grunde. Denn Appereeption bedeutet, dass man nur aus Gelerntem lernt, nur in dem Masse und nur in der Richtung neue Kenntnisse gewinnt, als man schon ältere besitzt. Formen der Appereeption. 28) Wir unterscheiden die Formen der Appereeption nicht nach Merkmalen, welche von den psychologischen Vorgängen zwischen den Momenten des Apperceptions-Processes entlehnt wären, sondern nach dem gegenseitigen logischen Werte der beiden Haupt-Momente gegen einander. Wir nehmen vier solcher Formen an, erstlich: Die identifteirende Appereeption. Die beiden Momente, welche sich gegen einander bewegen, bedeuten beide dieselbe objective Einzelheit (im positiven Falle) oder zwei verschiedene objective Einzelheiten (im negativen Falle), etwa den äusseren Eindruck auf unsere Seele u. ein inneres Bild (Erinnerung), welche beide entweder einander gleich oder von einander verschieden sind. A P oder A > P. (P bedeute den äussern

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