Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Eindruck, der meist die passive Rolle spielt, appercipirt wird; A das innere Bild, das von P reproducirt ist und ihm entgegenkommt und dasselbe appercipirt, also activ ist). Ist A dem P gleich, so erfolgt (nach § 13. 14) eine Verschmelzung beider; durch A wird P als das erkannt, wofür es dem Bewusstsein gilt; durch P wird das VerschmeJzungs-Ergebnis in die Wirklichkeit gesetzt (projicirt). So wird eine Strasse erkannt, als die, welche wir suchen; ein Haus als das, in welchem wir wohnen oder gewohnt haben. Wenn es sich um Dinge handelt, die sich gar nicht oder nur wenig und unwesentlich verändert haben, so ist dies der einfachste Process, der sich in der Verschmelzung der gegenwärtigen Erscheinung mit der Erinnerung an dieselbe ältere vollendet, und den wir in jedem Wiedererkennen von Dingen und Personen finden. Wiedererkennen heisst also etwas als schon bekanntes erkennen, und dies geschieht, indem etwas Erscheinendem das früher davon gewonnene Bild entgegentritt. Letzteres wird durch ersteres, mit dem es associirt ist, in das Bewusstsein gerufen. Associirt. ist es mit demselben, weil es von gleichem Inhalt ist, wenigstens mit ihm verflochten ist. Ist es nun völlig gleich, wie beim wieder gefundenen Hause, so erfolgt augenblickliche Verschmelzung, welche unbewusst bleiben kann, ebenso wie auch das ältere Bild; ist es nur verflochten, so kommt es darauf an, ob das Gleiche oder das Ungleiche überwiegt, ob Verschmelzung erfolgt (Anerkennung der Gleichheit, Position: P A) oder Abweisung derselben (Erkennung der Verschiedenheit, Negation: P > A) — was alles häufigst ganz ohne Bewusstheit geschieht. Man tritt ein in das Haus, oder man geht weiter daran vorüber, ohne Ueberlegung. Man sucht und findet (gleichgültig was), und man findet ohne zu suchen*). 29) Im Unterricht findet diese identificirende Apperception weiten Raum. In der empirischen elementaren Natur - Wissenschaft müssen Formen der Steine, Pflanzen und Tiere mit ihrem Namen, wiedererkannt werden; in der Geographie die Grenzlinien, Lage der Länder und Orte. Die Antwort auf die Frage: wie heisst das? was bedeutet das? vollzieht sich allemal in einer identificirenden Apperception. Das Lesen ist also eine fortlaufende identificirende Apperception. Ebenso das übersetzen, aus einer Sprache in die andere. Aber auch das Hören des Gesprochenen und das Verständnis desselben. 30) Wenn, wie besonders häufig beim Kinde, die Erscheinung P unvollständig aufgefasst wird, indem manche Merkmale unbeachtet bleiben; oder wenn umgekehrt das frühere Bild teilweise verlöscht ist, auch wol schon anfänglich unvollkommen gebildet war: so können Verschmelzungen eintreten, welche eine falsche Erkenntnis geben, weil sich durch Verflechtung eine falsche Association wirksam gemacht hat, was um so leichter geschieht, weil das ältere Bild nicht bewusst wird, sondern nur schwingend wirkt. So wird aus dem Walfisch ein Fisch, aus der Fledermaus ein Vogel (vgl. 24f).. 31) Uebrigens glaube man nur ja nicht, dass das Kind Dinge und Personen mit einander verwechsele. Mag es immerhin jeden Mann Papa und (bald wol Onkel) die Ziege eine Kuh nennen; es hat damit nicht etwa den Papa mit einem anderen Manne verwechselt, auch wenn nicht beide neben einander stehen. Wo dergleichen, wie häufig auch, vorzukommen scheint, liegt allemal nur ein Mangel des Wort-Schatzes im Kinde vor. Von einem Knaben wird mir erzählt, dass er zwar den Fremden Papa nannte, aber dazu mit dem'Kopfe schüttelte, um die Verneinung hinzuzufügen. Das heisst also: hier ist jemand wie der Papa. So unterscheidet das Kind auch das Holz-Pferd vom lebenden Pferde. Ein schon vorgeschrittener Knabe sagte einmal: Tante, kaufe mir einen Esel, aber keinen von Holz, sondern von Fett — Umgekehrt erkennt das Kind die Identität veränderter oder: anders erscheinender Dinge nicht. Das Kind weiss nicht, dass es von Tieren isst, welche es gestern lebend gesehen hat, oder dass das Holz in Küche und Ofen vom Baume stammt. *) Die obige Darlegung ist abstract und darum mangelhaft. Die Rücksicht auf das Gemüt niuss hinzugekommen und dadurch die Darlegung ergänzt werden. Einen lange nicht geseheneu Freund wiedersehen ist mehr als- <üe Verschmelzung einer Warnebmung mit einer Erinnerung. Wenn der Freund als Vorstellung nur als ein Verband wie andere Vorstellungen anzusehen ist, so fragt sich doch, wie reich ist dieser Verband und wie wertvoll! Ebenso ist etwas Gesuchtes finden mehr als Verschmelzung einer Erinnerung mit der neuern Erscheinung. Dabei ist unbeachtet., ^ass Suchen ein Streben ist mit vielleicht sehr grosser Erregung, und Finden mit einem Affect verbunden ist.