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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1896-01-01 · 14.1896 · page 20

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
14.1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
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— 19 — fernliegende Stoffe an einander: das tut auch die Kategorie. Jener aber erzeugt nur eine vorübergehende, weil unwesentliche Verflechtung; die Kategorie, das Gesetz stiftet einen constitutiven Zusammenhang, der seine Festigkeit in einer besondern Gruppe trägt. 66) Dann aber ist die anendlich hohe praktische Bedeutung jener formalen Gruppen hervorzuheben. Man sagt etwa dem Knaben, durch Anfügung des st an den Stamm des Verbum bildet man die zweite Person, oder die Präposition in steht auf die Frage wohin und wo in verschiedenem Casus, oder Lügen ist ein Laster: so werden hierdurch und durch wenige Beispiele, welche die Sache erläutern, Gruppen geschaffen, welche Gebilde erzeugen und andrerseits verhindern. Denn mit jenen wird das geforderte Gebilde appercipirt, positiv oder andrerseits negativ. Wenn es sich um fremde Sprachen handelt, aber auch bei der vaterländischen oft, wird der Lehrer die Beispiele häufen müssen, d. h. die Regeln einüben lassen, wodurch die Gruppen vergrössert und wirksamer werden. 67) Solche Gruppen entstehen aber im Kinde auch ohne Lehrer; dann freilich wirken sie nur schwingend. Werden sie aber durch den Lehrer bewusst gemacht, so müssen sie dennoch so eingeübt werden, dass sie bald auch bloss schwingend wirken. Wie das Kind alle leiblichen Bewegungen, wie atmen, schlucken, gehen, Bewegungen der Arme uud Hände u. s. w. aus Reflex (durch anatomische Vorbereitung im Nerven-Centrum) ausübt: so vollzieht es auch die notwendigsten geistigen Processe, schon vor dem Unterricht, durch eine sozusagen geistige Reflexbewegung. Und wie der Meister, der dem Schüler den Handgriff zeigt, in diesen eine Fähigkeit einsetzt: so setzt der Lehrer vermittelst der formalen Gruppen, die er bildet, oder zur Bewusstheit bringt, dem Schüler eine geistige Kraft ein. Vielleicht bewährt sich folgende Einschaltung: Regeln hat die Grammatik und die Klugheit, Gesetze die Natur-Wissenschaft, Verordnungen, die Jurisprudenz und Polizei, Gebote die Logik, die Ethik und Aesthetik, welche aus dem Gefühl für das Schöne, Richtige und Gute abgeleitet werden. Die eentripetale und die centrifugale Aufmerksamkeit. Einüben. 68) Oben (§49 ff) haben wir von derjenigen Aufmerksamkeit gesprochen, welche für die Beobachtung nötig ist, und so nenne ich sie wie alle Erkenntnistätigkeit, insofern sie äussere Realität auffassen soll, zumal alle Sinnestätigkeit, centripetal. Es gibt aber auch eine Aufmerksamkeit, welche jede körperliche und geistige Tätigkeit unausgesetzt begleiten muss, durch welche eine rein geistige Tätigkeit oder eine körperliche Arbeit ausgeführt werden soll: diese nenne ich, wie die Wirkung aller Bewegungs-Nerven, centrifugal. Die erstere ist die Bereitschaft, eine Erscheinung aufzunehmen; die andere überwacht die Gestaltung oder Bewegung, sei es eines Vorstellungs-Verbandes (zu einem Gedichte, einer Abhandlung, einem Kunstwerke), sei es eines zum Gebrauche bestimmten Dinges oder einer Nutzen tragenden Tätigkeit. Die eentripetale nimmt Erwartetes auf, wenn sie nicht ganz unerwartet unbewusst als Beachtung (man beachtet etwas oder nicht) entsteht; oder sie wartet, was sich ihr von mehreren vorausgesetzten Möglichkeiten in der Erscheinuug darbieten wird (wie beim Experiment): die centrifugale Aufmerksamkeit (die doch nicht bloss praktisch, sondern auch theoretisch sein kann, wenn es sich um Gestaltung der Gruppe nach Kategorien handelt) hat als appereipirende Gruppe die Idee, ethische Maxime, die Regel, die Absicht, den Erfolg in Bereitschaft. Insofern ist diese letztere Aufmerksamkeit die Selbst-Kritik, welche das eigene (theoretische oder praktische) Tun Schritt für Schritt begleitet und nach Richtigkeit und Zweckmässigkeit prüft (vrgl. meine Ethik § 228. Einleitung § 179—185.) Wenn also Erkenntnisse schlechthin durch eentripetale Aufmerksamkeit gewonnen werden: so werden andrerseits Regeln, Gesetze und Gebote tatsächlich beobachtet durch centrifugale Aufmerksamkeit. Letztere begleitet die Schöpfungen. 69) Schöpfungen aber sind dem Knaben alle Uebersetzungen, alles Reden, alle Artigkeit und gesittetes Benehmen. Alles Merken der Vorschrift, bei allem guten Willen (Sich-Merkenwollen), reicht hier nicht aus. Jene Regeln u. s. w. müssen bewusst und endlich unbewusst, schwingend, so mächtig werden, dass sie die betreffende Gruppe vollständig beherschen, und zwar so dass jeder neue Verband, der sich nach seinem Inhalt dieser Gruppe anschliesst, von der Regel appercipirt werde. Diese muss,

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