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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1896-01-01 · 14.1896 · page 18

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
14.1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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IRI
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— 17 — als blosse Masse, blosser Stoff; es sind schon manche (wenn auch keineswegs alle) Kategorien der Metaphysik und der Logik gegeben, welche freilich noch nicht bewusst geworden sind: gegeben im Bewusstsein, aber noch nicht für das Bewusstsein. Er hat allgemeine, allgemeinere und besondere und ganz einzelne Vorstellungen, ohne von dieser Ueber- und Unter-Ordnung zu wissen. Man bedenke nur dass er die Vorstellung Tier, Pflanze, Mensch, auch Wolf und Lamm, Rose und Brennessel, auch Stamm und Blatt und Blüte hat, Völker und einzelne Menschen und einzelne Tiere kennt. Aber noch fehlt jede Ordnung, abgesehen von derjenigen, welche die unmittelbare Warnehmung, auch der Gebrauch und die Wertschätzung stiftet; es fehlt jede logisch-sachliche Ordnung. Er scheidet Vögel, Fische und Landtiere, wie er sie verschieden sieht; aber unterscheidet sie nicht, d. h. er setzt sie nicht unter einen Gattungs-Begriff als Art-Begriffe. Er weiss von lebend und tot, lebendig und gestorben, von Wasser und Brot als Lebens-Mittel, wie er dies alles durch Warnehmung erfährt, ohne sich über Wesen und Zusammenhang dieser Vorstellungen Rechenschaft zu geben. Er weiss auch von Hass und Liebe, gut und schlecht, weil er es fühlt. Keiner Vorstellung ist in der Gruppe eine besondere Wichtigkeit mit Bewusstsein zuerkannt. Er scheidet Synonyma. Solche Masse von Wörtern bringt auch das Kind mit zur Schule Der Lehrer soll dieselbe vor allem bereichern und berichtigen und den sachlichen Zusammenhang ihrer Elemente schaffen. Dies gilt nicht nur von den Gegenden, in denen ein von der Schrift-Sprache verschiedener Dialekt gesprochen wird, sondern von allen Orten, weil überall die Volkssprache von der Schriftsprache abweicht. — Es. ist aber auch die Sach-Kenntnis des Kindes geringer, als man sich etwa denkt, in der Stadt, wie aut dem Lande. Woher soll ein Kind der grossen Stadt, wissen, dass das Holz vom Baume kommt? Fleisch, Milch und Eier vom Tiere? das Brot vom Getreide? und was pflügen, säen und ernten heisst? was die verschiedenen Professionisten leisten? Und natürlich müssen uns die Anlange der Ethik ganz besonders am Herzen liegen. 59) Diese Gruppe niederster Constitution wird so allmählich in die zweite Constitutions-Form umgestaltet, wo die Vorstellungen nach ihrer Wichtigkeit, ihrem verschiedenen theoretischen oder praktischen Werte eine Geltung erhalten, und wo demgemäss die Begriffe logisch und metaphysisch über- und unter- und beigeordnet werden, wo Ursache und Wirkung, Substanz und Accidens, u. s. w. erfasst wird, wo auch die verschiedenen Gruppen zu einander, der Wirklichkeit entsprechend, in Verhältnis gebracht werden. Kurz: die Gruppe wird zum System. 60) Es ist nicht genug, dass Verschiednes als verschieden erkannt und benannt ist, wobei die differenzirenden Elemente zwar schwingend, aber nicht bewusst werden. Da bleibt die Vorstellung der Verschiedenheit immer noch verschwommen, und die Grenzen sind unbestimmt. Der Lehrer muss also die Merkmale der Dinge zur Bewusstheit bringen, indem er sie einzeln hervorhebt. Er muss aber auch zeigen, dass nicht aDe Merkmale gleich wichtig sind (vgl. 51). Die Abstufung der Classen der Tiere und Pflanzen (wenn sie auch noch nicht mit der Exactheit der Zoologie und Botanik gemacht wird) beruht auf dem Grade der Wichtigkeit. Das Wichtigste ist das Allgemeinste, woran sich in Abstufung die specifischen Merkmale schliessen. Indessen spielt hier auch Nützlichkeit und Schönheit mit, um einem Merkmale eine viel höhere Bedeutung zu geben, als demselben zukäme, wenn bloss das Wesen, Leben und Wirken der Dinge an sich beachtet würde. Das Wichtigste im Wesen der Dinge ist auch das Gemeinsame derselben, und als solches leicht nachweisbar; das weniger Wichtige ist das Besondre. Bekannt ist, wie viel es hier zu corrigiren gibt: die Fledermaus, der Walfisch u. s. w. Die praktische oder ästhetische Rücksicht macht sich schon für die Wort-Schöpfung geltend. Wörter wie Füllen, Stute, Wallach, Ochs, Rappe, Schimmel, Schäcke, u. s. w. verdanken ihre Entstehung nicht dem Wesen dieser Tiere, sondern nur der subjectiven Beziehung derselben zum Menschen. 61) Da das Kind alle seine Vorstellungen mit der Sprache bildet, die Dinge so in Classen verteilt, wie die Sprache den Namen bietet, nicht leicht aber, oder durchaus niemals, eine Classe bildet, für welche die Sprache keinen Namen besitzt: so hat man hieran schon einen Fingerzeig, dass das Kind, wie rücksichtlich des Gedanken-Stoffes an den Stoff-Wörtern, so auch für seine Denk-Form 3

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