Mannheim
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185418951937
  1. 1877-01-01 · 1877 · page 2

    Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars ״Fraenckel’scher Stiftung.“ Breslau, am Gedächtnisstage des Stifters, dem 28. Januar 1877. Voran geht: Zur Charakteristik der talmudischen Ethik vom Direct…

  2. 1877-01-01 · 1877 · page 3

    Das theologische Seminar hat seine wissenschaftliche Beziehung nicht nur zur gelehrten Welt, sondern auch zur Gemeinde und zu den Gemeinden Israels. Es scheint desshalb angemessen, dass — wenigstens von Zeit zu Zeit — das Programm, mit welc…

  3. 1877-01-01 · 1877 · page 4

    2 irgend einer anderen, etwa der des Aristoteles, oder der Stoiker, oder eines neueren Philosophen, fallt zunächst der einfache literarische Thatbestand ins Gewicht, da…

  4. 1877-01-01 · 1877 · page 5

    s Volksbewusstsein anerkannt ist, namentlich aber auch die bestimmte Zurückweisung falscher oder niedriger, hinter dem sittlichen Ideal zurückbleibender Lebensgewohnheiten oder Lebensregeln. Gleichwohl würde nun derjenige vollkommen in die …

  5. 1877-01-01 · 1877 · page 6

    …entlichen Bewusstsein des Volkes, sondern auch in den verbreiteten einzigen Quellen der Belehrung, bei den Dichtern wie Homer, Hesiod u. s. w. geschehen war. Aber eben so unzutreffend würde das Urtheil in Bezug auf die Weisen des Talmuds sein. I…

  6. 1877-01-01 · 1877 · page 7

    5 historische Voraussetzung, sondern eine objectiv wirkende Macht im Geist und im Gemüthe jedes Talmudisten war, wenn wir uns etwa zu solchen Fragen wie die nach dem Grundprincip der talmudischen Ethik wenden. Kein Unparteiischer wird anste…

  7. 1877-01-01 · 1877 · page 8

    6 gefasst, wie die anthropologischen Ansichten vom Wesen des Menschen, seinem ursprünglichen Zustand und dem Ziele seiner Entwickelung verschieden waren; von der scharf ausgeprägten Individualität des Denkens bei einzelnen Geistern zu schwe…

  8. 1877-01-01 · 1877 · page 9

    7 hat. Ich sage: Gott ist der Idealgrund aller Sittlichkeit. Nicht als ob die Lehren derselben, an deren verpflichtender Gültigkeit indessen gär nicht gezweifelt wird — Machtgebote des allmächtigen Gottes wären, welche nur ebenso blinden wi…

  9. 1877-01-01 · 1877 · page 10

    8 mich herantretenden Gebot beruhen, oder heteronom sein. Nun fängt aber die wahre Moralität erst mit der sittlichen Autonomie an, und die heteronome Moral, wie werthvoll sie auch als Erziehungsmittel für Unmündige sein mag, wird zur unsitt…

  10. 1877-01-01 · 1877 · page 11

    9 menschlichen Denkens nichts, was gewisser, sicherer, klarer, bestimmter, zweifelloser war, als dass Gott der Schöpfer eben sowohl einer sittlichen als der physischen Weltordnung sei, dass er die Quelle aller, auch der ethischen Wahrheit s…

  11. 1877-01-01 · 1877 · page 12

    10 Grundprincip gemacht8), und das «Heilig sollt ihr sein» ist ein eben so allgemeines und für die Ableitung alles Besonderen eben so fruchtbares Princip wie etwa das naturae convenienter vivere bei den Stoikern. Gesucht aber und aufgestell…

  12. 1877-01-01 · 1877 · page 13

    …n einer solchen Verschiedenheit in der Grundansicht vom Wesen der Religion etwas zu entdecken. Wohl steht es fest, dass Schammai und seine Schule in ritualgesetzlicher Hinsicht rigoristischer waren als die HiLLEi/sche, allein sie waren es auch in s…

  13. 1877-01-01 · 1877 · page 14

    12 theismus mit seinen sittlicheren Begriffen von Gott entstand aus der vorausgegangenen grossem Reinheit sowohl in geschlechtliehen Dingen als in anderen. Die wilde That des Simeon und Lewi, welche die Entehrung ihrer Schwester mit rücksic…

  14. 1877-01-01 · 1877 · page 15

    13 Zur weiteren Charakteristik der talmudischen Ethik mögen aber hier noch einige Grundfragen erörtert werden, die um den Gegensatz des Aeusserlichen und Innerlichen im ethischen Leben sich bewegen. Muss doch dieser Gegensatz oft genug zum …

  15. 1877-01-01 · 1877 · page 16

    14 L Gnosis und Praxis- Nicht das Forschen ist die Hauptsache, sondern das Wirken, lehrt R. Simon b. Gamaliel1). Ebenso sagt R. Akiba2), es kommt Alles auf die Fülle der Thaten an (im Gegensätze zu dem in seiner Zeit herrschenden Gnosticism…

  16. 1877-01-01 · 1877 · page 17

    …sie lernen6). Auf Grund dieser und ähnlicher Aussprüche hat man das Judenthum mit Recht eine Religion der That genannt. Leopold Löw freilich sagt7): «Man scheint diesen Satz weder in religionsphilosophischer, noch in religionsgeschichtlicher Beziehung…

  17. 1877-01-01 · 1877 · page 18

    16 Gott Liebe, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übe, denn an diesen habe ich mein Wohlgefallen, spricht der Ewige9). Man kann Löw an der angeführten Stelle zugeben, dass der heilige Inhalt der Bibel alle Seelenkräfte in Anspruch nimmt. «Es…

  18. 1877-01-01 · 1877 · page 19

    i 1 verblendete Diplomaten — vorzüglich an die Einsicht und Erkenntniss; das legislatorische und gnomische Element an den Willen und den Wandel, das lyrische Element an das Gemüth und die Empfindung.» Wenn es aber weiter heisst: «In den Sch…

  19. 1877-01-01 · 1877 · page 20

    …hliessenden geistigen Schauen der seligen Götter besteht, wie es in der Nikomachischen Ethik geschildert wird. Man kann Chasdai Crescas (auf den bereits M. Joel hinweist11) nur beistimmen, wenn er sagt: Diese Meinung, dass die Seele durch Theorie …

  20. 1877-01-01 · 1877 · page 21

    …Beschäftigung. Zu der positiven 12) Sehr wesentlich für die Charakteristik der jüdischen Anschauung ist auch der von R. Josef Albo (Ikkarim HE, 3) hervorgehobene Gedanke, dass in der ausschliesslichen Anerkennung der Gnosis ein Aristokratismus stecke…