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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720959--08-2723118
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7 hat. Ich sage: Gott ist der Idealgrund aller Sittlichkeit. Nicht als ob die Lehren derselben, an deren verpflichtender Gültigkeit indessen gär nicht gezweifelt wird — Machtgebote des allmächtigen Gottes wären, welche nur ebenso blinden wie stummen Gehorsam fordern; sondern aus der Natur des göttlichen Wesens, aus der heiligen, d. h. alle Ideale des Sittlichen harmonisch und einig in sich umfassenden Natur Gottes fliessen sie, dem Urquell alles Lichtes entstammend und darum sich selbst erleuchtend, in den Satz zusammengedrängt: «Heilig sollt ihr werden, denn ich der Ewige, euer Gott, bin heilig»5). Wie nun die Torah die ethische Natur Gottes, die Heiligkeit, als allgemeines Grundprincip für die Heiligung des Menschen aufgestellt, so haben die Mischnah-Lehrer dieselbe specialisirt, die einzelnen ethischen Eigenschaften Gottes, die Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit als seine Wege bezeichnet, auf denen der Mensch ihm nachfolgen, ihm ähnlich werden soll. Ruht demnach die Sittenlehre der Torah und der Mischnah nicht sowohl auf einem Machtgebote Gottes als vielmehr auf seiner ethischen Natur, welcher der Mensch ähnlich zu werden streben soll, so bleibt sie vollständig unberührt von dem Einwande Hartmann’s6): «So lange ich nämlich einen theistischen Gott glaube, der mich sammt der Welt geschaffen, und dem ich gegenüber stehe, wie das Gefäss dem Töpfer, so lange bin ich ein Nichts gegen ihn, ein Scherbe in seiner Handj und kann meine Sittlichkeit in Nichts anderem bestehen, als in der strikten, blinden Unterwerfung unter den allmächtigen heiligen Willen dieses transscendenten Gottes, d. h. so länge kann alle Moralität nur auf dem von aussen an 5) Levit. 19, 2. Vgl. 11, 44; daher הדבק במד ותיו של הק״בה nicht;במצותיו חנון וכו'• *Sin מה הו^ דחוס וכוי מרה Ferner weisen auf die ethische Natur Gottes zur Motivirung der Sittengesetze hin: Levit. 20, 23. Deut. 12, 31. vergl. auch Sifr6 zu Deut. 11, 22. Schabbat 133 b. Sotah 14, a. Sifra zu Levit. 18, 4. 6) Die Selbstzersetzung des Christenthums S. 29.

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