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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 8

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720959--07-2723117
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6 gefasst, wie die anthropologischen Ansichten vom Wesen des Menschen, seinem ursprünglichen Zustand und dem Ziele seiner Entwickelung verschieden waren; von der scharf ausgeprägten Individualität des Denkens bei einzelnen Geistern zu schweigen, hatte sich, auf dem Boden rein theoretischer Fragen und speculativer Gedanken erwachsen, eine verbreitete Skepsis ausgebildet, welche auch das Gebiet der Sittlichkeit ergriffen hat. Das sittliehe Leben war also in Frage gestellt; nun galt es auf dem Wege der Forschung Principien desselben, d. h. allgemein arierkannte zweifellose, Grundgedanken aufzufinden, welche das Fundament der sittlichen Theorie bilden könnten, um darauf das ganze Gebäude als auf festem Grunde zu errichten. Der Sicherheit sollte eben so wie der Klarheit gedient, alle einzelnen sittliehen Lehren sollten aus einem zweifellosen Grunde abgeleitet, ja sogar die in Zweifeln wankend gewordene sittliche Gesinnung sollte durch die Kunst der logischen Ueberzeugung wieder befestigt werden. Von alle dem ist in dem jüdischen Geiste zu den Zeiten der Talmudisten schlechthin keine Rede. Ein allgemeines Princip der Sittlichkeit wird nicht gesucht, denn es ist für Jedermann gefunden. Gewiss hat es auch unter den Juden nie an Leuten gefehlt, welche sich gegen das vorhandene und bekannte Sittengesetz auflehnten, aber nicht als Vertreter oder Begründer einer wissenschaftlichen Skepsis — was kaum in der spätesten Zeit vorkommt — sondern einfach als «dem Hange ihres Herzens folgend», wie der wesentlicbe Gegensatz gegen das Gute immer in der Bibel bezeichnet wird4). Innerhalb der gelehrten, der wissenschaftlich thätigen Welt ist das Grundprincip der Sittlichkeit niemals zweifelhaft. Wie Gott als der Realgrund aller Dinge, so wird er auch als der Idealgrund aller Sittlichkeit angesehen, welche er dem Menschen ins Plerz gepflanzt und überdies im Gesetz und durch Propheten offenbart 4) 5 M. 29, 18. Jer. 3, 17. 7, 24 und sonst.

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