Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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16 Gott Liebe, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übe, denn an diesen habe ich mein Wohlgefallen, spricht der Ewige9). Man kann Löw an der angeführten Stelle zugeben, dass der heilige Inhalt der Bibel alle Seelenkräfte in Anspruch nimmt. «Es wendet sich nämlich das historische und prophetische Element — letzteres durch seine Polemik gegen Abgötterei, falsche Propheten und 9) ibid. 9, 24. Diese vorwiegende Richtung auf das Ethische haben auch nichtjüdische hervorragende Forscher anerkannt. Der Bund, sagt Bähr (Symbolik des mosaischen Cultus I, 37), d. h. das besondere Gemeinschaftsverhältniss, in welches Gott zu Israel durch das geoffenbarte Gesetz getreten, bezweckt die Heiligung Israels; er lautet mit Einem Wort: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Dies ist das Princip, die Seele des Mosaismus, sein Lebensodem, und nach ihm bestimmt sich überhaupt das ganze göttlich-menschliche, d. i. religiöse Yerhältniss. Die mosaische Religion ist daher durch und durch ethisch, richtet sich durchaus an den Willen des Menschen und betrachtet ihn als ein moralisches Wesen.“ Bähr führt auch die Stimme von Görres und Friedr. Schlegel an. Der Erstere sagt über das Yerhältniss des Mosaismus zu den anderen orientalischen Religionen (Mythengeschichte H, 507): Das ist eben das charakteristisch Auszeichnende der Mosaischen Grundansicht, dass sie die Gottheit gleich sehr der Yermessenheit der ergründenden Yernunft geschlossen hält, wie sie keusch und enthaltsam mit dem sinnlichen Taumel der Einbildungskraft sie zu beflecken verbietet und im Ethischen allein ihr klares, ungetrübtes Strahlen zu einem erhabenen Gesichte, zu einem grossen, dräuenden und segnenden Meteore auseinander brechen lässt.“ Der Letztere bemerkt über dasselbe Yerhältniss (Philosophie der Geschichte I, 168): Worin bestand denn nun aber diese von ihrem Stifter und Gesetzgeber und allen ihren Stammvätern dem Volke der Hebräer vorgezeichnete eigenthümliche Richtung des Geistes, der ganzen inneren Kraft und aller Gedanken? Ganz im Gegensatz jener ägyptischen Wissenschaft und eines in die verborgensten Tiefen der Natur herniederfahrenden und alle ihre Geheimnisse mit magischer Kraft durchdringenden Verstandes war hier das vorherrschende Element vielmehr der Wille, ein mit herzlichem Verlangen und ganzem Ernst den über alle Natur erhabenen Gott und Schöpfer in der Höhe suchender und Seinem endlich erkannten Licht, Seinen Vorschriften und Winken der väterlichen Führung, geduldig und glaubensvoll mit unerschütterlichem Muthe folgender und mitten durch das stürmende Meer und über die öde Wüste hinaus immer nachgehender Wille. S. 165 : ״Der hervorstechende Charakterzug . . . liegt in der Sphäre des Willens und in einer ganz־ fest bestimmten Richtung desselben.“