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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 20

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720959--19-2723129
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18 Punkt betrifft, der sich auf jer. Kilajim 9, 1 stützt, dass es nach dem daselbst mitgetheilten Berichte dem R. Jose gleichgültig war, ob ein Ahronide das Lehrhaus verliess, in welchem sich eine Leiche befand, und dass ein anderer Lehrer in Zorn gerieth, weil man einen Zuhörer darauf aufmerksam machte, sein Gewand sei nicht ritualmässig angefertigt worden, so hat bereits P'ne Iehoschua zu Berachot 19 b, auf welchen schon in einer Glosse zu jer. Kilajim ibid. verwiesen ist, eine genügende Erklärung gegeben. Ueberhaupt aber scheint mir der Fragepunkt in diesen Controversen vielfach verschoben. Der wesentliche Gegensatz, auf den es ankommt, scheint mir vielmehr dieser: nach der rabbinischen Anschauung besteht das ethische Ideal des Menschen nicht in der Ausbildung eines bestimmten Gemüthszustandes, einer bestimmten Geistesverfassung, sondern in einer bestimmten L ebensführung. Man darf auch hier nicht an den einzelnen Aussprüchen allein haften, oder muss vielmehr ihre Bedeutung mit der gesammten Anschauung in Harmonie setzen. Auch für diejenigen nämlich, welche der rein geistigen Beschäftigung unbedingt den Vorzug geben, ist diese nur die höchste und reinste That im Leben. Dieser Ansicht steht die Aristotelische von der reinen «Beschaulichkeit» gegenüber, nach welcher das höchste Lebensideal in jenem bewegungslosen, weder Willen noch Handlung einschliessenden geistigen Schauen der seligen Götter besteht, wie es in der Nikomachischen Ethik geschildert wird. Man kann Chasdai Crescas (auf den bereits M. Joel hinweist11) nur beistimmen, wenn er sagt: Diese Meinung, dass die Seele durch Theorie glückselig und unsterblich wird, haben sich nicht-jüdische Philosophen ersonnen und es haben sich von ihr bethören lassen auch jüdische Denker (Maimonides und seine Schule meint er), ohne zu überlegen und il) Spinoza’s theol.-politisclier Tractat, auf seine Quellen geprüft S. 45.

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