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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 15

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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13 Zur weiteren Charakteristik der talmudischen Ethik mögen aber hier noch einige Grundfragen erörtert werden, die um den Gegensatz des Aeusserlichen und Innerlichen im ethischen Leben sich bewegen. Muss doch dieser Gegensatz oft genug zum Ausgangspunkt von falschen Anschuldigungen gegen die sittliche Lebensanschauung der Juden Vorhalten. An die Stelle dieses vagen und unklaren Gegensatzes, welcher in seiner Abstraction leicht der oberfläch־ liehen Beurtheilung anheimfallt, wollen wir einige andere, ebenfalls allgemeine, aber dennoch concrete Gegensätze in Erwägung ziehen. Angesichts der Thatsache, dass schon die Propheten die Schale des Hohns, der Verachtung und des heiligen Zornes so oft gegen alle Aeusserlichkeit im sittlich-religiösen Leben ausgegossen, dass sie sanft, ergreifend, ernsthaft und eindringlich die Noth- Wendigkeit einer inneren Läuterung und Erhebung zu Gemüthe führten; Angesichts der Thatsache, dass, wenn der Vorwurf den späteren Zeiten gelten soll, in eben diesen die geistige Beschäftigung (Talmud Torah) so weit im Volke verbreitet, so hoch geschätzt ist, dass sie über alle Werthe des Lebens und selbst über alle sittliche That erhoben wird: Angesichts solcher Thatsachen müsste allerdings ein Vorwurf der Aeusserlichkeit von vornherein verstummen. Ohne Rücksicht auf denselben also und in positiver Weise betrachten wir desshalb zunächst den Gegensatz von Wort vernommen ,,Du sollst nicht ehebrechen!“ als sie erwiederten: schon unsere Abstammung spricht dagegen (Genes. 19, 30—38). Sodann wollte Gott den Nachkommen Ismaels die Torah geben; als sie aber das Verbot hörten ״Du sollst nicht stehlen“, riefen sie, in Raub und Diebstahl besteht seit unserem Urahn der Verkehr unseres Lebens. Endlich offenbarte er sich dem Volke Israel und dieses rief einmüthig, alles was der Ewige verkündet, wollen wir thun und befolgen (Mechilta zu Exod. 20, 2). Also der ethische Charakter des jüdischen Volkes war die Vorbedingung zum Empfang der Offenbarung, der reinen Gotteserkenntniss, wie andererseits der Talmud von den zum Heidenthum abgefallenen Israeliten richtig sagt: Ihre Unsittlichkeit war die Ur- Sache, dass sie dem Götzendienst sich zuwandten. Synhedrin 63 b: יודעי[ יעזר־אל בע״ז שאין בה ממש ולא עכרו ע״ז אלא להתיר להם עריות בפרהסיא•

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