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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 14

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720959--13-2723123
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12 theismus mit seinen sittlicheren Begriffen von Gott entstand aus der vorausgegangenen grossem Reinheit sowohl in geschlechtliehen Dingen als in anderen. Die wilde That des Simeon und Lewi, welche die Entehrung ihrer Schwester mit rücksichtslosem Morde rächten, ist zwar ein schweres Verbrechen, auf welches, die Schrift den Jakob zürnend noch in der Sterbestunde zurück•־ kommen lässt, zeigt uns aber die Bedeutung der Familienehre im alten Israel. Die jüdischen Ehe-, Keuschheits-, Reinheitsgesetze legen Zeugniss ab von der sittlichen Strenge, mit der das Leben erfasst wurde. Aus dieser sittlichen Lebensrichtung ergab sich die Befähigung, die heilige, die monotheistische Fassung der Gottheit zu gewinnen. Gott offenbart sich auch dem klügsten Volke nicht, wenn es in Sinnlichkeit versunken ist. Nicht die Gelehrsamkeit, nicht die Klugheit, sondern die Sittenreinheit ist die ursprüngliche Bedingung für die Erkenntniss Gottes. Man mag nun die Mittheilung des göttlichen Geistes an den Menschengeist, die Offenbarung heisst, als etwas Natürliches oder Uebernatürliches ansehen, das ändert an der Sache nichts. In beiden Fällen muss erklärt werden, warum das eine Volk die Offenbarung hat, das andere nicht, in beiden Fällen muss die Bedingung angegeben werden, unter der allein der Mensch das Richtige über Gott erfahrt. Diese Bedingung ist für Israel aufzuweisen, wenn man seine Geschichte mit der heidnischen vergleicht, ja Strauss selbst hat sie aufgewiesen, nur dass er als Resultat hinstellt, was Bedingung ist»11). ״) Nach meinem Dafürhalten wird Joel’s Ansicht durch eine Stelle in der Mechilta wie durch einen Ausspruch des Talmuds bestätigt. ״Bevor Gott seinem Volke die Lehre am Sinai offenbart, wandte er sich erst an die Nachkommen Esau’s mit der Frage: Wollt ihr die Lehre empfangen? Was steht in ihr geschrieben? versetzten sie. ״Du sollst nicht morden!“ — Nein, antworteten sie, dieses Gebot können wir unmöglich befolgen, das Schwert ist das Erbtheil, das unser Erzvater uns vermacht, dem die Verheissung geworden: Von deinem Schwerte sollst du leben (Genes. 27, 40). Dann wandte sich der Ewige an Ammon und Moab; doch kaum hatten diese das

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