Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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4 liches Verdienst und ihr eigenthümlicher Vorzug besteht in der schöpferischen Thätigkeit, vermöge deren sie den Sinn und Werth, den Zweck und das Ideal des Lebens tiefer erfasst und in Gedanken reicher entfaltet haben, als es nicht nur im öffentlichen Bewusstsein des Volkes, sondern auch in den verbreiteten einzigen Quellen der Belehrung, bei den Dichtern wie Homer, Hesiod u. s. w. geschehen war. Aber eben so unzutreffend würde das Urtheil in Bezug auf die Weisen des Talmuds sein. Ihnen war weit mehr gegeben, sie hatten viel weniger zu schaffen; aber darum darf auch der sittliche Lehrgehalt, den sie vertraten, der in ihnen lebte, nicht nach dem Umfang und der Art der Aussprüche, die sie gethan, gemessen werden. Mit einem Worte: der ganze Schatz der biblischen Wahrheit und Weisheit, die sittliche Welt- und Lebensanschauung der Propheten und Dichter war ihnen überliefert, war in ihrem Herzen und in ihrem Munde. Zwar steigen auch sie dann tiefer als die biblische Lehre in die Breite der concreten Lebenserscheinungen herab, umfassen die Erfahrung dann mit kernhaften Sprüchen; zwar suchen und finden auch sie hier eine logische Vollendung, dort eine ethische Vertiefung des sittlichen Bewusstseins; aber in den meisten Fällen durften sie denn doch den eigenen Gedanken hinter den biblischen zurückdrängen, das eigene Wort vor dem biblischen verschweigen oder an dasselbe anknüpfen2). Die talmudische Ethik kennt man nicht ganz, ja man kennt sie nur in ihren letzten Zweigen, wenn man nicht die biblische Ethik hinzudenkt, welche die Talmudisten als den Stamm und die Aeste betrachtet haben. Noch viel einflussreicher zeigt sich dieser Umstand, dass die biblische Ethik zur talmudischen bei der Würdigung dieser hinzugedacht werden muss, weil jene nicht blos eine subjecfive und 2) vergl. Sachs, Die religiöse Poesie der Juden in Spanien S. 146 f.