Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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15 Tefillin der Hand angelegt», d. h. dass sie der Gnosis nicht vor der Praxis den Vorrang eingeräumt haben. Ausdrücklich lehrt noch einer der späteren Amoraim: «Zweck des Wissens ist Busse und gute Werke, denn die Schrift sagt (Psalm m, 10): Ziel der Weisheit ist Gottesfurcht, freundliche Anerkennung finden alle Diejenigen, welche sie üben» es heisst aber nicht, welche sie lernen6). Auf Grund dieser und ähnlicher Aussprüche hat man das Judenthum mit Recht eine Religion der That genannt. Leopold Löw freilich sagt7): «Man scheint diesen Satz weder in religionsphilosophischer, noch in religionsgeschichtlicher Beziehung genau erwogen zu haben. Genauer und Wissenschaftlicher ausgedrückt, würde nämlich derselbe lauten: Das Judenthum wendet sich, die übrigen Seelenkräfte vernachlässigend, ausschliesslieh an ein Seelen vermögen, an die Willenskraft. Wer wollte aber dies im Ernste behaupten?» Das hat man aber auch keinesweges behauptet. Nicht, dass das Judenthum ausschliesslich, wie Löw sagt, sondern (a potiori fit denominatio) vorzugsweise an den Willen sich wendet, dass «gut handeln besser sei als andächtig schwärmen» oder tiefsinnig forschen oder felsenfest glauben, das hat man mit jenem Satze ausdrücken wollen, und das findet seine volle Bestätigung nicht bloss in den angeführten Talmudstellen, sondern auch in den Prophetenworten: Dein Vater hielt auf Recht und Gerechtigkeit, richtete des Armen und des Dürftigen Streitsache — dies heisst mich erkennen, spricht der Ewige8). Es rühme sich der Weise nicht seiner Weisheit u. s. w., sondern dessen rühme sich, wer sich rühmen mag: einzusehen und mich zu erkennen, dass ich 6) Berachot 17 a; vgl. noch Midrasch rabba zu Deut. 33, אמר הקב״ה לישראל כל החכמה וכל התורה דבר אהד קל הוא כל מי שמתירא אוחי ועושה ד״ת כל החכמה וכל התורה בלבו 7) Ben Chananjah II, 494• 8) Jerem. 22, 16.