Mannheim
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  1. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 7

    7 Reinhold'S und endlich eine Beilage über die Bußzeit und den Versöhntag der Juden. Jene Selbstbiographie (und einige derselben beigefügte Erläuterungen) folgt nun hiermit: Kapitel I. Der TalmudschAer. Ich bin geboren in Durschin in Klein-…

  2. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 8

    8 An den Sabbathen mußte ich ihm die Stellen auffchlagen und hersagen, die ich die Woche über gelernt hatte; auch gab er mir zuweilen selbst Lektionen auf, die ich studiren mußte*). In meinem 10. Jahr wurde mein Vater von einer schweren Kra…

  3. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 9

    9 alle ihm zukommenden Gebühren doppelt zu bezahlen, allein vergebens; die Antwort war: es sei eine Schande für ihre Tobten, wenn die, welche an ihrem Orte gestorben wären, nicht auch daselbst begraben würden. Die Leiche meines Vaters mußte…

  4. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 10

    10 bin, nämlich, daß meine Seele nicht in unreine Thiere, sondern in die heiligen und reinen Arme Jesu Christi nach meinem Hinscheiden kommen wird. — Meine Großeltern nahmen mich zu sich und als eigenes Kind an, da ich es denn recht gut hat…

  5. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 11

    _1J _ erhielt mein Großvater die sämmtlichm Stimmen, und wiewohl er schon bejahrt war, so nahm er doch aus Liebe sür sein Volk diesen Antrag an. Auf seiner Reise nach Warschau stieg er in der Stadt Lubomle bei einem Verwandten meiner versto…

  6. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 12

    vater, der andere meinem künftigen Schwiegervater ausgehändigt. Die Trauung wurde sodann auf ein Jahr ausgesetzt, in welcher Zeit beide Theile die vorgedachten Gelder auszahlen sollten, um sie auf Zinsen zu thun, welche nach vollendeten Kof…

  7. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 13

    …ie ganze Nacht hindurch im Studirhause blieb. Um 12 Uhr Nachts sang ich unter Vergießung vieler Thränen die Klagelieder Jeremiä, daß wir keinen Tempel mehr hätten, in welchem wir für unsere Sünden opfern könnten. Dann ging ich in die Mikweh, eine …

  8. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 14

    14 er ihnen eine Rede oder las aus den Buß- und Gebetbüchern. DieS währte bis zur Zeit des Abendgebets, welches so lang dauerte, bis Sterne am' Himmel sichtbar wurden. — Dergleichen Gesellschaften gab es mehrere, an die ich micb anschloß. D…

  9. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 15

    15 grade an einem Fasttage, da sie mich zwang, ihr mit hungrigem und schwachem Körper zu dienen. Dabei war mir zu Muthe, als sperre die Hölle ihren Rachen auf, um mich zu verschlingen. Gern wollte ich aus ihrer Knechtschaft erlöst sein, und…

  10. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 16

    16 Allein in dieser Zeit war eine große Veränderung in meinem innern Gang vorgegangen. Der Gedanke: „laß es jenseits des Grabes gehen, wie es will!" erfüllte mich oft unwillkürlich mit Angst und Schrecken. Mein früheres Leben stand mir so d…

  11. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 17

    3 Schiffe im Terel lägen, die ehestens dahin abgehen würden, auf deren einem mir mein Freund einen Platz zu einem billigen Preis verschaffte. Tages darauf ging ich unter Segel. Anfangs hatten wir günstigen Wind; bald aber war er uns ganz en…

  12. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 18

    18 Europa zurückzukehren, des Sinnes, bei irgend einem christlichen Lehrer mich in den Unterricht zu begeben; denn bisher war mir die christliche Religion völlig fremd geblieben. Kapitel 3. Neue Schwierigkeiten. Die Rückreise ging glücklich…

  13. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 19

    19 Stellen des alten Testaments, die auf den Heiland hindeuteten, und unterhielt sich mit mir darüber über eine Stunde. Nachdem er mich genau geprüft hatte, erklärte er: „Ich will Sie selbst in Unterricht nehmen und auch taufen; aber ich mu…

  14. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 20

    … ist, so will ich gern mit diesen Leuten Bekanntschaft machen. — Er gab mir darauf zwei Empfehlungsschreiben, eins nach Gnadau an den dortigen Gemeinhelfer, Bruder Streck, das andere an den Bruder Baumeister, der damals Prediger an der Schloßkape…

  15. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 21

    21 entbrannte der erste Funke in meinem Herzen, zu glauben, daß der Heiland der wahre Messias sei. Weil aber in Gnadau Mangel an Arbeit war, und man mir kein Geschäft anweisen konnte, so ging ich, in Hoffnung, daß mir vergönnt werden würd…

  16. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 22

    Kapitel 8 Samuel wird getauft und verläßt um Christi willen Weib und Kind (Luc. 14, 26). Nach meiner Ankunft in Berlin besorgte Pastor Jänike eine kleine Wohnung für mich in der Nähe seines Hauses, und ertheilte mir täglich zwei Stunden Unt…

  17. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 23

    23 Nach meiner Taufe war ich froh und vergnügt; einige Zeit darauf aber machte mir der jüdische Talmud nicht wenig Gewissens-Vorwürfe wegen meines Uebertritts zum christlichen Glauben. Da hieß es in meinem Innern: „Hast du nicht so viele St…

  18. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 24

    24 werde, konnte ich nicht erwarten. Selbst wenn sie es gewollt hätte, war solches kaum denkbar. Dann hätte sie sich heimlich von Hause entfernen müssen, und dies machten ihr 2 kleine Kinder unmöglich. Deshalb faßte ich den Entschluß, einen…

  19. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 25

    25 Buchstaben jede derselben. Fällt nun die mindeste Unpünktlichkeit bei Abfassung eines solchen Briefes vor, so wird er verworfen, und ein anderer muß geschrieben werden. Zwei Zeugen standen dabei und unterschrieben als Edi Messira, d. i. …

  20. 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 26

    …ne zu werden. Ich erhielt zwar Arbeit, aber die Erlaubniß zur Gemeine wurde mir für jetzt noch nicht zu Theil, weder in Herrnhut noch in irgend einem andern deutschen Brüder-Gemeinorte. Es wurde mir daher von den Brüdern gerathen, mich den Winter ü…