Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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21 entbrannte der erste Funke in meinem Herzen, zu glauben, daß der Heiland der wahre Messias sei. Weil aber in Gnadau Mangel an Arbeit war, und man mir kein Geschäft anweisen konnte, so ging ich, in Hoffnung, daß mir vergönnt werden würde, dort zu bleiben, nach Herrnhut. Bruder Königsdörfer kam bald zu mir und nahm sich meiner treulich an. Er brachte mich in die allgemeinen Versammlungen und zu den Brüdern der Aeltesten-Conferenz, welche aber einmüthig beschloffen, mir zu rathen, daß ich lieber außerhalb der Brüdergemeine mich taufen lassen möchte; sei ich bann zu derselben bestimmt, so könne ich ja späterhin derselben beitreten. — Den Bischof Layritz besuchte ich mehrmals. Einmal fragte er mich, ob ich das Neue Testament gelesen hätte, worauf ich erwiderte: Nein, denn ich kann nicht deutsch lesen. Seine Antwort war: Ja, wenn Du ein Christ werden willst, so ist es nothwendig, daß Du selbst das Neue Testament lesen könnest. Er wies mich sodann an den Bruder Meine!, der studirt hatte und im Brüderhause ausruhte, mit dem Wunsche, daß er mich täglich einige Stunden im Deutschlesen unterweisen möchte. Dieser nahm mich mit Freuden auf, und fing sogleich das ABC mit mir an. Tags darauf buchstabirte ich, und in drei Wochen brachte ich's so weit, daß ich deutsch lesen konnte und auch die lateinischen Buchstaben kannte. Unterdeß schrieben die Brüder Christian Gregor und Samuel Liebisch meinetwegen nach Berlin an den Pastor Jänike und an die Brüder Johann Lauterbach und Reinhold Dombrowsky, Arbeiter der dortigen Brüdergemeine. Ersterer wurde von ihnen ersucht, mich in Unterricht zu nehmen und sodann zu taufen. Nachdem die erwünschte Antwort angelangt war, daß ich kommen dürfe, verließ ich Herrnhut unter Vergießung vieler Thränen; denn ich wäre überaus gern daselbst geblieben. Bruder Königsdörfer gab mir über eine halbe Meile weit das Geleit, und tröstete mich mit den Worten: „Es ist mir in meinem Herzen ausgemacht, Du kommst noch zur Brüdergemeine."