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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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24 werde, konnte ich nicht erwarten. Selbst wenn sie es gewollt hätte, war solches kaum denkbar. Dann hätte sie sich heimlich von Hause entfernen müssen, und dies machten ihr 2 kleine Kinder unmöglich. Deshalb faßte ich den Entschluß, einen Aufsatz in hebräischer Sprache auszufertigen, ihr die Ursachen meines gethanen Schrittes darzulegen, und ihr in Hinsicht der christlichen und jüdischen Religion die freie Wahl zu überlassen. Gern hätte ich gesehen, daß sie zu mir gekommen wäre; allein ich mußte vermuthen, daß sie das Letztere wählen und einen Scheidebrief verlangen werde. Meinen Aufsatz übergab ich sodann dem Ober- Rabbiner in Berlin. Bei Lesung desselben ward er sehr betrübt, doch begegnete er mir nachher ganz freundlich, und versprach an den Rabbiner meines früheren Wohnortes, der von Berlin 100 Meilen entfernt ist, mit erster Post zu schreiben, damit derselbe die Gesinnung meiner Frau erforschen möchte. Die erhaltene Antwort theilte er mir sogleich mit; sie lautete dahin, daß meine Frau einen Scheidebrief verlange. (Vergl. 5. Mose 24, 1.) Ein solcher jüdischer Scheidebrief darf aber nicht mit der Post versendet werden; entweder muß man ihn in Person überbringen, oder Einen zur Ueberbringung bevollmächtigen. Letzteres konnte ich nicht, denn ich war arm, da ich mein Vermögen in der Heimath zurückgelassen hatte. Meine Frau wußte dies, weshalb sie den Ober-Rabbiner ersuchte, einen Juden zu bevollmächtigen, den Scheidebrief auf ihre Kosten zu überbringen. Hierauf wurde der Tag bestimmt, an welchem derselbe ausgefertigt werden sollte. — An demselben führte mich der Ober- Rabbiner in einen großen Saal, in welchem bereis zehn andere gelehrte Juden versammelt waren. Hier wurde ich auf hebräisch gefragt, ob ich diesen Schritt von ganzem Herzen und aus eigenem Antrieb thue? Diese unv mehrere Fragen, die mir schon bekannt waren, beantwortete ich gleichfalls in hebräischer Sprache, worauf mir ein Bogen Papier gereicht wurde, den ich dem beauftragten Schreiber übergeben mußte. Diese Schrift muß zierlich, fehlerfrei und wie gedruckt geschrieben werden. Auch ist genau festgesetzt, wie viel Zeilen sie enthalten muß, desgleichen wie viel

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