Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Buchstaben jede derselben. Fällt nun die mindeste Unpünktlichkeit bei Abfassung eines solchen Briefes vor, so wird er verworfen, und ein anderer muß geschrieben werden. Zwei Zeugen standen dabei und unterschrieben als Edi Messira, d. i. als Zeugen, daß ich den Schreiber zur Ausfertigung dieses Scheidebriefes beauftragt habe. Mir war bei dem Allen nicht wohl zu Muthe. Als der Ober-Rabbiner dies bemerkte, befahl er seinem Diener mich in den Garten zu führen. Unterdeß sah der Ober-Rabbiner und alle übrigen Anwesenden gedachtes Schreiben auf das genaueste durch, und es ward fehlerfrei befunden. Sodann ward es mir gereicht, worauf ich es dem bevollmächtigten Juden mit den Worten übergab: „Diesen Scheidebrief bringst du eigenhändig meiner Frau, und übergiebst ihr denselben an meiner Statt." Zwei andere Zeugen unterschrieben ihn dann als Edi Kabitti, d. i. als Zeugen, daß dieser Bevollmächtigte diesen Scheidebrief aus meinen Händen in Empfang genommen habe. Die ganze Verhandlung dauerte 5 volle Stunden. Von der Zeit an hörte aller Briefwechsel mit meiner Frau auf; denn sie gab mich nun auf Zeit und Ewigkeit verloren. — In den ersten Tagen nach Absendung des Scheidebriefes verfiel ich in eine solche Schwermuth, daß ich gleich einem, der seiner Sinne beraubt ist, umher ging, und man war meinetwegen nicht wenig in Sorgen. Hier aber kam mir der treue Heiland zu Hülfe, und gab mir folgendes Trostsprüchlein in's Herz: „Dieser Zeit Leiden find nicht werth jener Herrlichkeit, die.einst an uns soll offenbaret werden." Dieses Sprüchlein war jetzt und blieb auch in der Folge mein Trost während meines ganzen Lebens, in welchem ich oft mancherlei Trübsal und Schwierigkeiten vielfältiger Art habe erfahren müssen. Kapitel 7. Samuel Reinhold tritt zur Brüdergemeine. Seine weiteren Lebensschicksale bis zu seinem Tode (1839). Als späterhin meine Lehrjahre beendigt waren, reiste ich nach Herrnhut, und hielt um die längst gewünschte Erlaubniß an, ein