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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 Allein in dieser Zeit war eine große Veränderung in meinem innern Gang vorgegangen. Der Gedanke: „laß es jenseits des Grabes gehen, wie es will!" erfüllte mich oft unwillkürlich mit Angst und Schrecken. Mein früheres Leben stand mir so deutlich vor dem Gemüth, daß ich mich nicht entschließen konnte, eher nach Hause zurückzukehren, als bis ich mich so zerstreut haben würde, daß der ehemalige Gedanke nie wieder bei mir Platz finden könnte; dann erst war ich entschlossen, die Wirthschaft zu übernehmen. — Aber wie erschrak ich, als einst der Gedanke mir einfiel, zur christlichen Kirche überzutreten. Ich wähnte, dies sei eine Stimme des bösen Geistes, der mich verführen wolle, damit meine Seele gänzlich verloren ginge. Denn der Heiland — den die Juden Toluj, d. i. einen Gehenkten, nennen — stand bei mir in der höchsten Verachtung. So oft ich seinen Namen nennen hörte, sprach ich mit Zeichen des tiefsten Abscheus auf hebräisch folgende Worte aus: „Sein Gedächtniß möge vernichtet werden." Um mich zu zerstreuen, beschloß ich auf Reisen zu gehen, und schrieb deshalb meiner Frau, fie möchte mit ihrem Vater der Wirthschaft so lange vorstehen, bis ich im Stande sein würde, meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen; dann wolle ich nach Hause zurückkehren. Sodann ging ich zu Schiff von Stettin nach Kopenhagen, woselbst ich mich nur kurz aufhielt, und reiste mit einem holländischen Schiff nach Amsterdam. Hier machte ich mit einem portugiesischen Juden, der Schiffsmäkler war, Bekanntschaft. In unserer Unterhaltung kamen wir auf Suriname zu sprechen, wobei ich mich nach den dortigen Juden erkundigte, und ob sie ihrer Religion getreu wären? Auf seine Erwiderung, daß fie sich kein Vergnügen versagten und an's Jenseits des Grabes eben nicht viel dächten, fiel mir sogleich ein, dies würde ein passender Ort für mich sein; und wenn es mir binnen Jahresfrist glücken sollte, solche Gesinnungen mir anzueignen, dann könne ich wieder nach Hause zurückkehren. Ich fragte ihn daher, ob nicht bald ein Schiff nach Suriname abginge, da ich dorthin zu reisen Willens sei, und erfuhr, daß bereits

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