Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- Gnadau 1× ep/1044629
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so Morgen erklärte mir Pastor Otto: es sei seine Pflicht, mich zuerst an den Herrn Superintendenten in Delitsch zu empfehlen, zu dem ich sodann ging. Er erbot sich freundlich, mich in Unterricht zu nehmen, doch müsse er zuvor um Erlaubniß dazu in Leipzig ansuchen. Als ich ihm berichtete, daß ich bereits dort gewesen, und daß dem Professor Rosenmüller die Erlaubniß, mich in Unterricht zu nehmen, nicht ertheilt worden sei, so erwiderte er: „Dann kann auch ich Ihnen nicht dienen; denn dann wird es auch mir nicht erlaubt werden." Mit diesem Bescheid begab ich mich wieder zu meinem lieben Pastor Otto, der sich herzlich freute, mich nun Hinweisen zu können, wohin er wolle. „Ich werde — sagte er — Sie an die Brüder empfehlen." Hierüber wurde ich nicht wenig betreten, da es mir nicht unbekannt war, daß in Polen eine Gesellschaft vorhanden sei, die sich Brüder nannten. Diese gingen am Charfreitag mit ihrem Prediger vor die Stadt zu einem allda aufgepflanzten Heilands-Kreuz, wo sie auf ein vom Prediger gegebenes Zeichen ihr Oberkleid über Schultern und Brust abwarfen, und sich sodann mit zusammengebundenen ledernen Riemen so lange peitschten, bis das Blut herabfloß. Ich antwortete daher dem Pastor Otto, ich wolle nicht zur katholischen, sondern zur evangelischen Kirche übertreten. Darüber lächelte er und erwiderte: „Diese Brüder sind nicht katholisch; es sind die Leute, die man auch Herrnhuter nennt." Der Name Herrnhuter war mir völlig unbekannt; ich fragte ihn daher: Was für eine Lehre und Religion haben diese Leute? und woraus gründen sie ihre Hoffnung? Nachdem er mir etwas von der Lehre, dem Glauben und der Hoffnung der Brüdergemeine erzählt hatte, entgegnete ich: nun, wenn dem also ist, so will ich gern mit diesen Leuten Bekanntschaft machen. — Er gab mir darauf zwei Empfehlungsschreiben, eins nach Gnadau an den dortigen Gemeinhelfer, Bruder Streck, das andere an den Bruder Baumeister, der damals Prediger an der Schloßkapelle zu Barby war. Als ich nach Gnadau kam, besuchte ich sogleich die Mitglieder der dortigen Aeltesten-Conferenz, und suchte Bekanntschaft im Brüderhause. Durch die Unterredungen mit den Brüdern