Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554797-2554799--05696-2561661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vater, der andere meinem künftigen Schwiegervater ausgehändigt. Die Trauung wurde sodann auf ein Jahr ausgesetzt, in welcher Zeit beide Theile die vorgedachten Gelder auszahlen sollten, um sie auf Zinsen zu thun, welche nach vollendeten Koftjahren den jungen Leuten beim Anfang ihres eigenen Haushaltes übergeben werden. Als diese Geschäfte beendigt waren, fuhr die ganze Gesellschaft nach der Stadt, wo wir bei meinen künftigen Schwiegereltern einsprachen. Hier ward ich ganz beschämt, als ich sah, in welche große Familie ich gekommen war; denn ich konnte beinahe nichts anders thun als Glückwünsche entgegen nehmen. Nach etlichtägigem Aufenthalt reifte ich mit meinem Großvater wieder nach Hause. Nach meiner Trauung wohnte ich bei meinen Schwiegereltern, bei denen ich's sehr gut hatte; denn meine mir unvergeßliche Schwiegermutter that mir beinahe mehr Gutes als ihren eigenen Kindern. Was meinen innern Gang bis zu diesem Zeitpunkt betrifft, so muß ich gestehen, daß ich von Kind auf sehr böse war, und nichts Schlechtes war für mich zu groß. Wenn ich aber mein Morgen- und Abendgebet mit den andern Juden in der Synagoge verrichtete, so vergoß ich oft viele Thränen und bat den lieben Gott, er möchte mein Herz ändern. Kam ich aber wieder zu meiner Gesellschaft, so erwachte das alte Verderben von neuem. In diesem Zustand trat ich in die Ehe. Kapitel 3. Jüdische Bußübungen. Da ich es bei meinen Schwiegereltern sehr gut und kein ander Geschäft hatte, als meinen Studien obzulicgen, wofür mein Schwiegervater bezahlte, so dachte ich öfters in der Stille über meinen verlornen Zustand nach, und es fiel mir dann nicht selten der Gedanke schwer aufs Herz: wenn ich jetzt sterben