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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13 sollte, so würde ich unter allen Juden am längsten im Fegfeuer büßen müssen, weil ich mir keiner guten, sondern nur böser Werke bewußt war. Deshalb forschte ich im Talmud, welche Buße ich für diese oder jene Sünde thun müsse. Dies glaubte ich in einem Buche, betitelt „Schebet Musar" oder die „Strafruthe" zu finden, und bequemte mich nach demselben meinen Leib zu peinigen, durch Fasten und andere Bußübungen. Wöchentlich fastete ich am Montag und Donnerstag, da ich dann die ganze Nacht hindurch im Studirhause blieb. Um 12 Uhr Nachts sang ich unter Vergießung vieler Thränen die Klagelieder Jeremiä, daß wir keinen Tempel mehr hätten, in welchem wir für unsere Sünden opfern könnten. Dann ging ich in die Mikweh, eine Art Cisterne unterm Dache, und tauchte dreimal unter das Wasser. Auch schloß ich mich an alle frommen jüdischen Gesellschaften an, von welchen ich hier nur zwei erwähnen will. Die eine war eine Art Bibelgesellschaft. Die Mitglieder derselben hatten stch zu gewissen Beiträgen verbunden, von welchen zum Besten armer Juden alte Testamente angeschafft wurden. Die andere nannte sich „die Büßende". Die Einrichtung derselben war folgende. Im Monat Elul, — September — 4 Wochen vor dem jüdischen Neujahr und 5 Wochen vor dem großen Versöhnungstage, traten mehrere junge Leute zusammen, von denen täglich zehn einen Buß-, Bet- und Fasttag hielten*). Die zehn Personen, an welchen die Reihe war, kamen vor Tagesanbruch in einem Gemach bei der Synagoge zusammen. Jeder ging zuvor in die Mikweh, worauf sie sogleich ihr Morgengebet unter Vergießung vieler Thränen verrichteten. Dies dauerte bis ungefähr 10 Uhr Vormittags. Dann besuchte ein alter Rabbiner diese Beter, und hielt in Bezug auf ihr Vorhaben eine Ansprache an dieselben. Hierauf wurde der erste Abschnitt der Psalmen Davids abgesungen; dann las ihnen der Rabbiner aus einem Gebetbuche vor, und zwischen jedem Abschnitt hielt *) Diese 5 oder 6 Wochen bis zum großen Versöhnungstage bilden überhaupt die jährlich wiederkehrende ernste Bußzeit der Juden.

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