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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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19 Stellen des alten Testaments, die auf den Heiland hindeuteten, und unterhielt sich mit mir darüber über eine Stunde. Nachdem er mich genau geprüft hatte, erklärte er: „Ich will Sie selbst in Unterricht nehmen und auch taufen; aber ich muß zuvor bei der Obrigkeit um Erlaubniß ansuchen." Dies that er sogleich. Als ich wieder bei ihm einsprach, sagte er mir mit wehmüthigem Herzen: „Die Obrigkeit erlaubt mir nicht, Sie zu unterrichten und zu taufen, giebt mir keine Gründe dafür an, sondern räth mir, mich mit dieser Sache nicht zu befassen." Hieraus wurde ich aufs Rathhauö beschieden. Hier kam mir ein ehrwürdiger Greis entgegen, der mich in ein Nebenzimmer führte und mich also anredete: „Mein Freund, wir haben vernommen, daß Sie zum Christenthum überzutreten gesonnen sind. Wir wünschen Ihnen dazu Glück und Segen. Möchten Sie ein wahrer und nicht blos ein Namen-Christ werden. Allein wir wollen Ihnen nicht rächen, hier in Sachsen zur christlichen Religion überzugehen", wobei er mir zugleich diejenigen Gründe offen darlegte, die hier zu Lande meinem Wunsch hindernd in den Weg treten und mich in der Folge manchen Unannehmlichkeiten aussetzen dürften. „Aber", fuhr er fort, „gehen Sie lieber ins Preußische, wo keinerlei Schwierigkeiten Ihrem Gesuch entgegenstehen werden." — Seine Herablassung rührte mich innigst, und herzlich dankte ich ihm für den mir ercheilten wohlgemeinten Rath. Sodann Unterzeichnete er meinen Paß, da ich dann ohne Schwierigkeiten ganz Sachsen durchreisen konnte. Mein Wirth, dem ich erzählte, welche Schwierigkeiten meinem Wunsche hier zu Lande entgegen stünden, bedauerte, daß ich gestern nicht die Bekanntschaft des allgemein geachteten Predigers Otto gemacht hätte, der mich unfehlbar irgend wohin würde haben empfehlen können, und wies mich durch ein Empfehlungsschreiben an ihn nach dem 5 Stunden von Leipzig entfernten Döbernitz. An einem Sonnabend Nachmittag langte ich bei diesem lieben Manne an, der mich einlud, den Sonntag über bei ihm zu bleiben, und seinem Gottesdienst und der Katechisation der Jugend mit beizuwohnen, waö ich gern annahm. Am Montag 8*

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