Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Reinhold'S und endlich eine Beilage über die Bußzeit und den Versöhntag der Juden. Jene Selbstbiographie (und einige derselben beigefügte Erläuterungen) folgt nun hiermit: Kapitel I. Der TalmudschAer. Ich bin geboren in Durschin in Klein-Polen in der Nähe von Brody. Meine Eltern, Samuel Jsaac und Debora, geborne Elieser, waren jüdischer Religion. Der 24. December 1761 war der Tag meiner Geburt, und 8 Tage darauf ward ich nach dem Gesetz Mosts der jüdischen Religion einverleibt und Elieser Samuel genannt. Mein Vater hatte studirt, bekleidete aber keine Rabbiner- Stelle, sondern war ein Kaufmann. Es ist allgemein Sitte in Klein-Polen, daß die Juden ihre Söhne, wenn dieselben Fähigkeiten zeigen, studiren lassen; nicht daß sie alle Rabbiner werden sollten, sondern weil ein Gelehrter vor andern Juden geachtet wird und in Briefen oder überhaupt den Ehrentitel Rabbi Moreni, d. i. Meister, mein Herr, erhält, da hingegen ein Unstudirter Chower, d. i. Kamerad, angeredet wird. Auch kann einer, der studirt hat, falls er verarmen sollte, durch Unterricht in den Schulen seinen Unterhalt erwerben. Auch niich bestimmte mein Vater zum Studiren, und schickte mich, ehe ich noch mein viertes Jahr zurückgelegt hatte, in die Schule um lesen zu lernen. Als ich 5 Jahr alt war, kam ich in eine höhere Klasse, in welcher die Bücher Mosis und die Propheten gelesen wurden. Diese wurden mir von meinen Lehrern Wort für Wort verdolmetscht, wodurch ich Fertigkeit in der hebräischen Sprache erlangte. Als ich mein 6. Jahr erreicht hatte, wurde ich zum Lesen der Anfangsgründe des jüdischen Talmud, Mischnah genannt, angeleitet, die wenig Nachdenken erfordern. In meinem 8. Jahre studirte ich den eigentlichen Talmud, was schon mehr Anstrengung und Ueberlegung erheischte. Mein Vater war mir dabei sehr behülflich.