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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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23 Nach meiner Taufe war ich froh und vergnügt; einige Zeit darauf aber machte mir der jüdische Talmud nicht wenig Gewissens-Vorwürfe wegen meines Uebertritts zum christlichen Glauben. Da hieß es in meinem Innern: „Hast du nicht so viele Stellen im Talmud gelesen, daß jener Toluj ein falscher Prophet gewesen, der nach dem Gesetz Mosis die Todesstrafe erleiden mußte? und hast du nicht so viele alte Rabbiner gekannt, die alle gern selig werden wollten, gleichwohl aber nicht zur christlichen Kirche übergetreten sind? Willst du klüger sein als diese ehrwürdigen Väter?" Dagegen rief mir eine andere Stimme zu: „ES giebt aber doch auch so viele fromme Christen; wären diese nicht fest davon überzeugt, daß sie auf ihren Glauben selig sterben könnten, so würden sie ja zum Judenthum übergehen." Diese beiden Stimmen ängstigten mich gar sehr in der Stille, und ich trug mich mit ihnen bis zum ersten Weihnachtsfeiertage. An diesem Tage hielt Bruder Dombrowsky eine Rede über die Worte: „Des Weibes Same wird der Schlange den Kopf zertreten", die er ganz deutlich auf unfern Heiland anwendete. In dieser Versammlung nun offenbarte sich der Heiland meinem Herzen auf eine so eindrückliche Weise, daß ich mit völliger Ueberzeugung glauben konnte, er und kein Anderer sei der wahre Messias. Und dem Heiland sei's innigst gedankt, daß mir von dieser Stunde an nichts mehr den Glauben an ihn hat rauben können. Der Talmud mußte jetzt mit seinen Vorwürfen zurückweichen. Meine äußern Umstände gewannen in dieser Zeit eine andere Gestalt. Da ich gern mein Brod mit meinen eigenen Händen verdienen wollte, so kam ich 14 Tage vor meiner Taufe bei einem Schlossermeister, Namens Bruster, der ein Societäts- Mitglied war, in die Lehre, und wurde auf 3 Jahre zünftig in dieselbe eingeschrieben. Da ich nun völlig von der Wahrheit der christlichen Religion überzeugt und fest entschlossen war, lebenslang in dieser Kirchen-Gemeinschaft zu verbleiben, es gehe mir übrigens im Aeußern wie es wolle: so dachte ich oft und viel an meine in der Heimath zurückgelassene junge Frau. Daß sie mir folgen

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