Mannheim
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  1. 1865-01-01 · 1865 · p. [Seite]

    Einladungsschrift zu der am 30., 31. März, 3. und 4. April 1865 stattfindenden der Bürger- und Real-Schule der israel. Gemeinde von dem Director der Anstalt Dr. S. Stern. Inhalt: 1) Verschiedenheit der Kindercharaktere und der ihnen entspre…

  2. 1865-01-01 · 1865 · p. [Seite]

    Kitter den Vorzügen, vermöge deren sich der Mensch hoch über die gesammte Thierwelt erhebt, ist keiner bedeutender, als seine Bestimmung und Befähigung, sich zu einer individuellen Persönlichkeit zu bilden. Je niedriger das'Thier steht, um …

  3. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 4

    4 ausgebildet werden, denn für das überall Gleiche lassen sich allenfalls auch allgemeine Gesetze aufstellen. Die praktische Kunst des Erzieheus aber beruht auf dem Verständniß des menschlichen Individuums, ans der Befähigung des Erziehers,…

  4. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 5

    5 Kräfte im gesammten Organismus des menschlichen Wesens zu einander stehen, auf dem größeren oder geringeren Uebergewicht, das hier die eine, dort die andere dieser Lebensrichtungen und ihre Entwicklung gewinnt, beruht der unendliche Reich…

  5. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 6

    Sie ist für jede Art von äußerer Einwirkung empfänglicher und empfindlicher, d. h. weniger widerstandsfähig gegen die Wirkungen derselben. Ihr sinnliches Anschauen ist hingebender, unmittelbarer und darum, dürfte man sagen, mächtiger und ei…

  6. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 7

    7 ungeduldig gegen jeden äußern Widerstand, gegen jedes innere Leiden an, während das Weib beides durch leidendes Dulden überwindet. Das einzige Gebiet der Selbstthätigkeit, auf welchem das Weib dem Manne überlegen zu sein scheint, ist das …

  7. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 8

    8 ganzen Körpers folgt, als ob es ihn ergreifen wollte; aber auch ein Kind, das den einmal mit Aug und Ohr erfaßten Gegenstand eifrig und beharrlich festhält, sich durch sinnenerregende Zerstreuungsversuche nur auf Momente von demselben abl…

  8. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 9

    9 Nur die Art und Weise, wie sie dieselben ausnehmen, ist verschieden. Der Eine wird von dem einmal empfangenen Eindruck festgehalten oder haftet vielmehr selbst mit dauernder Hingebung an demselben, der Andere wird von wechselnden Einwirku…

  9. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 10

    10 fr / ' 'Tj Winde bewegte Blatt und der fliegende Vogel fesseln seine Phantafle. Er will den Hund und die Katze, oder wohl auch den Knaben, mit dem er spielt, sich unterwürfig machen und das Spielzeug, das man ihm geschenkt hat, wird er b…

  10. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 11

    11 mit Lust am Wechsel verbunden ist, der sich viel vornimmt und viel anfängt, ohne etwas gründlich dnrchznführen und zn vollenden, eigentlich nur der Schein eines solchen sei, da dieser Wechsel des Thuns, dieses Aufgeben des Begonnenen und…

  11. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 12

    12 jede Strömung gelenkt und abgelenkt wird, kann leicht als Herzensgute, Wohlwollen und Gemächlichkeit erscheinen, ist aber in Wahrheit immer Leichtsinn und Leichtfertigkeit. Sie hat Sinn für Alles, nimmt Interesse an Allem, hegt Mitgefühl…

  12. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 13

    zur leichtfertigen Vergessenheit der guten Vorsätze, die sie wenige Momente vorher gefaßt haben. — So begeistert sich der Jüngling von schwächlichem Charakter für die Hochherzigkeit eines Max Picolomini und für die erhabenen Grundsätze eine…

  13. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 14

    u — unruhige und unbeständige Beweglichkeit des Gemüthes erkennen, das an keiner Stimmung festhält und von jeder äußern Bewegung in eine andere Strömung getrieben wird. Die Schwäche kann sogar unter der täuschenden Hülle der Kraft erscheine…

  14. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 15

    15 Sorgfalt des Arztes die momentane Unfähigkeit des Kindes, den körperlichen Leiden und Reizungen den nothwendigen Widerstand zu leisten, bei solchen Anlässen so tief einwurzeln läßt, daß das Kind nach und nach zum Sklaven seines Körpers, …

  15. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 16

    16 diejenige Form der Empfänglichkeit äußert, die wir als sinnige Tiefe undInnerlichkeit des Empfindens bezeichnet haben. Sie ist mit einer Selbstthätigkeit verbunden, welche die äußern Eindrücke zum Eigenthum des Geistes oder doch des Gemü…

  16. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 17

    gische Kraft des praktisch strebenden und wirkenden Mannes wird freilich seltener aus dieser Naturanlage hervorgehen. Das still sinnende Mädchen aber gleicht der verschlossenen Knospe, aus der sich die duftende Blüthe der reinsten Weiblichk…

  17. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 18

    18 Andere und an die Welt überhaupt zu erkennen gibt. Das innere Genügen, welches die Vertiefung in die eigenen Empfindungen hervorruft, gibt den Regungen der Selbstsucht und all der niedern Leidenschaften, die aus derselben entspringen, ke…

  18. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 19

    19 lieben, morgen geringschätzen und hassen können. — Das sind die Kinder von lebhaftem Geist, wie man sie wohl gerne nennt, oder vielmehr von unruhig wechselndem Thun, wie man sie nennen sollte; die frühreifen, in doppeltem Sinn schnellfer…

  19. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 20

    20 — zu befestigen und zu vertiefen. Wir sollten uns jedoch von dem Schein der glänzenden Begabung, mit dem uns diese Frühreife leicht irreführt, in der That nicht täuschen lassen, wenn wir bedenken, daß auf allen Gebieten des organischen L…

  20. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 21

    21 Stiche des Daseins, kann wohl ohne daraus hervorgehendes Denken und Thun, das Thun aber nicht ohne vorangegangenes Denken und Empfinden gedacht werden. Wir werden diesen Charakter, wenn er sich in gesunder Weise entwickelt, als den der e…