Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
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8 ganzen Körpers folgt, als ob es ihn ergreifen wollte; aber auch ein Kind, das den einmal mit Aug und Ohr erfaßten Gegenstand eifrig und beharrlich festhält, sich durch sinnenerregende Zerstreuungsversuche nur auf Momente von demselben ablenken läßt, um alsbald wieder zu ihm zurückzukehren und mit Heftigkeit nach ihm verlangt, wenn er seinen Blicken oder seiner Hand entzogen wird, bekundet schon früh eine Naturanlage zur geistigen Selbstthätigkeit, die jeder äußern Einwirkung durch eine Gegenwirkung begegnet, sich zu ihrem Herrn zu machen sucht und den wechselnden äußern Einwirkungen durch kräftiges Beharren bei seinem Streben oder bei seiner inner« Bewegung Widerstand leistet. Je weiter das Kind in seiner Entwicklung vorschreitet, um so mannigfaltiger, aber auch scheinbar um so verschiedenartiger in sich werden die Symptome dieser beiden Lebensrichtungen: Ein Knabe, der nicht aufhören kann sein Bilderbuch anzuschauen, der ans der Mutter Schooß dasselbe Märchen immer wieder mit gleicher Aufmerksamkeit anhört, der an der Hand seines Vaters schweigend einen Spaziergang macht und die Erscheinungen der Natur wie ein wandelndes Bild an seinem Auge vorüberzieheu läßt, der stundenlang einer weidenden Heerde, dem Treiben des Geflügels auf dem Hühnerhof, oder einem bewegten Ameisenhaufen zuschauen kann, der später mit Aufmerksamkeit dem Unterricht seines Lehrers folgt und sich von Büchern nicht trennen mag, die ihm in Geschichten, Reise- und Naturbeschreibungen mannigfaltige Bilder vor die Seele führen, ist von empfänglicher Naturanlage. Aber auch der Knabe, der täglich nach neuen Bildern und nach neuen Geschichten verlangt, der auf dem Spaziergang den Vater oder den Lehrer mit tausend Fragen ermüdet, bald zu dieser bald zu jener Blume läuft, um sie abzureißen und bald wieder dem bunten Schmetterling nachjagt; der heute Steine und morgen Käfer, heute Briefmarken und morgen Siegel sammelt, der dein Unterricht in der Schule selten mit Aufmerksamkeit folgt, weil dieselbe von tausend Dingen zugleich angezogen wird, der bald in Büchern, bald in dieser oder jener Schaustellung seine Unterhaltung sucht; — Beide sage ich, gehören zu den überwiegend empfänglichen Gemüthern; denn sie suchen und finden beide ihre Befriedigung in den Eindrücken und Vorstellungen, die ihnen die Außenwelt zuführt. f v*. A^i