Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Language
- German
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11 mit Lust am Wechsel verbunden ist, der sich viel vornimmt und viel anfängt, ohne etwas gründlich dnrchznführen und zn vollenden, eigentlich nur der Schein eines solchen sei, da dieser Wechsel des Thuns, dieses Aufgeben des Begonnenen und Uebergehen zn einem neuen Anfang doch wohl nur die Wirkung des Einflusses sein kann, den die wechselnden äußern Eindrücke auf ihn ansüben. Wir können also die Unruhe und Unbeständigkeit, die Oberflächlichkeit und Wandelbarkeit sowohl des Empfindens als des Thuns, als Zeichen der überwiegenden Empfänglichkeit ausehen, während das Beharren nicht nur in dem einmal begonnenen Thnn, sondern auch in dem einmal eingetretenen Empfinden und Anschauen doch immer auch zugleich eine Selbstthätigkeit voranssetzt und sowohl die Kraft des Sicherhaltens in dem einmal erfaßten Eindruck, als auch des Sichabschließens gegen neuandringende äußere Einwirkungen erfordert. Wir haben also bereits vier Hauptcharaktere der Naturanlage gefunden: 1) vorwiegende Empfänglichkeit, die sich der Macht und dem Wechsel der äußern Eindrücke widerstandlos hingibt — das ist der Charakter der Schwäche. 2) Empfänglichkeit, die sich den Einwirkungen der Außenwelt ans Sinn, Geist und Gemüth mit einer gewissen Selbstthätigkeit erschließt, und sich ihnen hingibt, um sie in sich anfzunehmen und festzuhalten — der Charakter der sinnigen und tiefen Innerlichkeit. 3) Thätigkeitstrieb, dessen Uebnng nicht von innerm Wollen, sondern von äußern Antrieben bewegt und gelenkt wird und daher den unruhigen Wechsel derselben theilt — der Charakter der Oberst ä ch l i ch k e i t n n d Aeußerlichkeit. 4) Vorherrschender Thätigkeitstrieb, der von bewußtem Wollen bewegt wird und von äußern Einwirkungen unabhängig, einmal erfaßte Zwecke mit Beharrlichkeit verfolgt — der Charakter der Kraft und Festigkeit. Es wird für die Aufgabe der Erziehung von hohen: Interesse sein, die Eigenthümlichkeiten dieser Hauptcharaktere nach ihren verschiedenen Nüancirungen und insbesondere auch von Seiten ihres Gemüthslebens und ihres sittlichen Werthes zu beobachten. Die Schwäche, die für Alles empfänglich nnd zugänglich ist, durch jeden Eindruck erregt, durch jeden Wechsel bewegt, durch