Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
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u — unruhige und unbeständige Beweglichkeit des Gemüthes erkennen, das an keiner Stimmung festhält und von jeder äußern Bewegung in eine andere Strömung getrieben wird. Die Schwäche kann sogar unter der täuschenden Hülle der Kraft erscheinen: als Kraft des Gehorsams, des Duldens und der Ergebung. Aber der Gehorsam der Schwäche unterscheidet sich gar sehr von der freien und selbstbewußten Unterordnung unter einen fremden Willen, der in der That das höchste Maaß der Kraft, die Kraft der Selbstbeherrschung erfordert. Er ist vielmehr das Produkt der Furcht und der Feigheit, des Ohnmachtgefühls, das sich bei schwachen Charakteren in der Regel erst nach einem vergeblichen Widerstandsversuch kindischen Eigensinns und Trotzes und nicht selten in Begleitung von Zornesthränen einstellt. Eben so ist ihr Dulden vermeintlichen oder wirklichen Unrechts nicht die selbstverlengnende Hinnahme desselben, wie etwa das edle und starke Weib sich dieselbe für Erhaltung des häuslichen Friedens auferlegt, sondern nur das Zeichen einer erschlafften Widerstandskraft gegen einen stärkeren Willen und in gleicher Weise ist die scheinbare Ergebung in die göttliche Schickung nicht das Produkt einer Frömmigkeit, welche in Demuth gegen den erhabenen Schicksalslenker selbst dem tiefsten Seelenschmerz Schweigen gebietet, sondern nur einer schnell eintretenden Abspannung des Gemüths, das auch den heftigsten Schmerz nicht lange festzuhalten vermag. Wenn wir noch einige andere Symptome zur Charakterisirung dieses Natureis hinznfügen sollen, so sind es etwa folgende: Der Schwache befindet sich mit seinen Seelenstimmnngen in vollkommener Abhängigkeit von seinen körperlichen Zuständen und daher anck, von den Einflüssen der Natur und der Witterung auf seinen Körper. Je mehr aber dieser in solcher Weise zum Beherrscher der Seelenzustände wird, um so empfindlicher wird er selbst für jedes eigene Leiden und für jeden Wechsel der äußern Einflüsse. Und so wird die Schwäche selbst, wenn man ihr einmal nachgibt, zur Quelle ihres steten Wachsthums. Nichts ist daher geeigneter dieselbe zu nähren und nicht selten auch hervorzurufen, als eine Krankheit der Kinder, wenn die blinde Liebe der Eltern und die ausschließlich auf seine Zwecke gerichtete