Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 17)
- Language
- German
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zur leichtfertigen Vergessenheit der guten Vorsätze, die sie wenige Momente vorher gefaßt haben. — So begeistert sich der Jüngling von schwächlichem Charakter für die Hochherzigkeit eines Max Picolomini und für die erhabenen Grundsätze eines Marquis Posa, die Jungfrau für die Hingebung einer Thekla und für den selbstverlengnenden Heldenmmh einer Johanna von Orleans; Beide sind aber gleich weit davon entfernt etwas von diesen Grundsätzen und Gesinnungen auf ihr eignes Thun und Empfinden zu übertragen, und berauschen sich vielleicht einige Stunden nach der Lektüre jener Dramen an dem Genüsse eines wilden Tanzes oder ähnlicher Vergnügungen. So werden Beide viele sogenannte gute Freunde und Freundinnen haben, aber keinen Freund, für Viele Sympathie und Zuneigung, aber für Keinen treue und hingebende Liebe empfinden. Der Wechsel der Empfindungen und Bestrebungen ist das Lebenselement der Schwäche; die Leichtigkeit ihres Entstehens und die Schnelligkeit ihres Verschwindens bildet gleichsam den lebhaften aber unregelmäßigen Pulsschlag derselben. Darum täuscht die Schwäche des Charakters auch leicht durch den Schein der Lebendigkeit und Frische des Geistes. Die Macht des äußern Eindrucks, dem sich der Schwächliche widerstandslos hingibt, setzt nicht selten alle Federn des Empfindens und Denkens oder auch des Wollens in plötzliche und lebhafte Bewegung. Momente solcher Erregung steigern die Spannkraft des Geistes und des Gemüthes für einen Augenblick zu ungewohnter Höhe und können die Schwäche mit dem Schein des feurigen Empfindens, des raschen Denkens und energischen Wollens bekleiden. Aber um so schneller folgt auch die gänzliche Abspannung und Ermattung, wenn mit der direkten äußern Einwirkung die innere Erregung plötzlich geschwunden ist. Ebenso entsteht der Schein der geistigen Lebendigkeit durch die Schnelligkeit und Leichtigkeit der Uebergänge zu den verschiedenartigsten Vorstellungen und Empfindungen — vom hohen Ernst, wenn dieser jemals vorhanden ist, zum heiter bewegten Scherz; von trauriger Empfindsamkeit zu lachender Freude, von lebhafter Unterhaltung zu düsterem Schweigen. Aber der klarsehende Beobachter wird in diesem Wechsel nicht die freie selbstthätige Bewegung des Geistes, sondern vielmehr nur die