Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
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9 Nur die Art und Weise, wie sie dieselben ausnehmen, ist verschieden. Der Eine wird von dem einmal empfangenen Eindruck festgehalten oder haftet vielmehr selbst mit dauernder Hingebung an demselben, der Andere wird von wechselnden Einwirkungen hin und her bewegt und ist mit seinem ganzen Dasein ein Spielball der von außen znströmenden Eindrücke. Das Empfinden, das in Beiden vorherrscht, gewinnt in dem Einen eine ruhige und klare Tiefe, erscheint in dem Andern als bewegliche und darum verwirrende Oberflächlichkeit. Der Eine wird sich zum träumerischen Sinnen, der Andre zum unruhigen Genießen, der Eine zur schwärmerischen Empfindsamkeit, der Andere zur lannenhasten Empfindlichkeit neigen. Beide bedürfen der Arbeit, um ans der stillen Lust wie ans dem bewegten Drange des Empfindens zu sich selbst und zu einer selbstthätigen Rückwirkung auf die Außenwelt zu gelangen: zuerst der Arbeit des Denkens, durch welches sie die Empfindungen zu ihrem geistigen Eigenthnm und sich selbst zu Herrn derselben machen, dann der Arbeit des selbstthätigen Schaffens, das aus den sinnenden Träumen und gedankenlosen Genießen zum bewußten Wollen und Thun führt. Anders gestaltet sich das Lebensbild und der Entwickelungsgang des Kindes, dessen Naturanlage eine überwiegend selbstthätige, mittheilende. schaffende ist. Wir werden diese natürlich seltener im Mädchen finden, dessen Selbstthätigkeit in diesem Falle vornehmlich ihrer Puppe oder ihrem kleinen Brüderchen zngewendet ist. Ter Knabe hingegen wird seine Unterhaltung weniger in seinem Bilderbuch als in seinem Steckenpferd finden, das er regieren und kommandiren kann, in den Bausteinen, die er nach seiner Phantasie zusammensetzen, im Sandhaufen, den er nach seinem Willen formen kann. Ein Puppentheater, auf dem er selbst die Figuren in Btzvegung setzt, oder ihnen gar Worte in den Mund legt, ist seine Freude; Geschichten läßt er sich erzählen, um sie bald wiederzuerzählen oder später mit seinen Kameraden aufzuführen. Auf dem Spaziergang prüft er seine Kräfte im Springen und Laufell. Was seine Aufmerksanikeit erregt: der Schmetterling, die Blume, der Apfel, das will er haben, oder wenigstens begreifen. Er möchte am Bache die dahinfließende Welle festhalten oder ihr Nacheilen; das vom