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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 6

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1865
Date
1865-01-01
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
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IRI
…/9643703-7658386--530-7658394
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Sie ist für jede Art von äußerer Einwirkung empfänglicher und empfindlicher, d. h. weniger widerstandsfähig gegen die Wirkungen derselben. Ihr sinnliches Anschauen ist hingebender, unmittelbarer und darum, dürfte man sagen, mächtiger und eindringlicher, als das des Mannes. Das Weib nimmt das Bild, das auf ihr Auge und durch dasselbe auf ihre Seele wirkt, häufig mit einem Blick vollständiger und klarer in sich auf, als der Mann nach langer Betrachtung. Sie erfaßt den ganzen Menschen und doch zugleich die kleinsten Details seines Angesichts, selbst seines Anzuges mit einem scheinbar flüchtigen Blick. Sie erkennt daher auch den leisesten Wechsel der Stimmung in den Zügen ihres Mannes oder ihres Kindes. Nicht minder ist aber auch ihre See len - st i m m n n g meist die Wirkung äußerer Vorgänge und Eindrücke, und daher auch leicht wechselnd wie diese, aber auch, was einer der größten Vorzüge der weiblichen Natur ist, harmonisch und taktvoll zusammenklingend mit der Stimmung und dem Charakter derer, mit denen sie in Beziehung tritt. Sie ist weich und empfänglich, leicht zum edelsten Mitgefühl gestimmt, aber auch eben so leicht durch einen äußern Mißton verstimmt, durch einen äußern Wandel nmgesiimmt. Auch das weibliche Urtheilen ist selten ihre eigne freie That, sondern häufig nur das reflektirte Spiegelbild fremder Anschauungen, das widertönende Echo fremder Gedanken, nnd auch das ächt weibliche Wollen ist nur das Verlangen, daß das geschehe, was diejenigen wünschen und wollen, die sie liebt, und die ihrer Sorge anvertrant sind. Des Mannes Tugend hingegen ist seine Widerstandskraft gegen äußere Eindrücke, die Fähigkeit, sie zu überwinden und ihnen einen möglichst geringen Einfluß ans die Gestaltung seines Daseins, seines Wollens nnd selbst seines Empfindens zu gestatten. Sein Anschauen ist jederzeit auf eine geistige Besitzergreifung gerichtet. Er will des Gegenstandes Herr werden, der sich seinen Sinnen darstellt. Sein Denken soll gewissermaßen der Natur und der Welt Gesetze vorschreiben, und sie durch sein Thun verwirklichen. Er will die Verhältnisse seines Lebens in der Welt um sich her schaffen und gestalten, während das Weib sich in dieselben zu fügen und zn schicken versteht wie sie eben sind. Er stürmt

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