Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 8)
- Language
- German
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4 ausgebildet werden, denn für das überall Gleiche lassen sich allenfalls auch allgemeine Gesetze aufstellen. Die praktische Kunst des Erzieheus aber beruht auf dem Verständniß des menschlichen Individuums, ans der Befähigung des Erziehers, sich gleich dem Dichter in das eigenthümliche innerste Seelenleben des einzelnen Kindes zu versenken und sich mit sympathischen Gefühlen seiner ganzen Persönlichkeit zu bemächtigen, so daß der Erzieher nicht nur die gegenwärtige Gestaltung seines inneren Wesens lebendig vor seiner Seele schaut, sondern auch ein klares und faßbares Bild der ferneren Entfaltung, welcher das Kind vermöge seiner Persönlichkeit im weiteren Verlauf seiner Entwicklung entgegenstrebt und deren Herstellung daher auch das Ziel der erziehlichen Wirksamkeit sein muß. Der Erzieher wird sich daher, soweit es im Allgemeinen möglich ist, mit den Besonderheiten der menschlichen und zunächst der kindlichen Natur bekannt zu machen suchen, wenn er für die Behandlung jedes Einzelnen auch immer den rechten Weg und die rechten Mittel finden will. Und in diesem Sinne wollen wir es hier versuchen, einige charakteristische Bilder der kindlichen Natnranlagen und ihrer Entwickelung zu entwerfen und zusammenzustellen, die freilich weit davon entfernt sind, uns alle möglichen Eigenthümlichkeiten derselben vorzuführen, die uns aber doch vielleicht einigen Anhalt bieten für die Beurtheilung und Würdigung der wichtigsten Grundverschiedenheiten, in welchen die Kindesnatur dem Erzieher entgegentritt. Wir können uns für diesen unfern Zweck nicht mit der altherkömmlichen Eintheilung der menschlichen Naturen und Charaktere in die vier Klassen der cholerischen und melancholischen, der phlegmatischen und sanguinischen begnügen, denn diese scheinen auch für die allgemeinste Ueberschau der unerschöpflichen Mannigfaltigkeit nicht anszureichen, in der sich das menschliche Wesen darstellt. Wir wollen vielmehr die Quelle und den Charakter der menschlichen Verschiedenheit in dem innersten Wesen der Menschennatur, d. h. in der Art und Weise ihrer Selbstentfaltung zu einer Mannigfaltigkeit von Kräften und Lebensäußerungen suchen. Denn auf die Verschiedenheit des Verhältnisses, in welchem diese