Mannheim
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  1. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 37

    37 Kopfe mich stächen. Innerlich wunderte ich mich, daß ein so gebrechlicher Alter, entkräftet durch das Sitzen im Gefängniß, zerquält durch das Schicksal zweier ihm theueren Wesen, ein Schicksal, das vor seinen Augen sie traf, noch unter d…

  2. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

    38 nöthig. Die Militär-Behörde geht mit mir gut um, man hat mir gestattet, eine eigene Wohnung zu miethen, und belästigt mich wenig mit dem Dienst. Möge Gott, der Beschützer aller Unglücklichen, es ihnen lohnen. Sie sind sehr herablassend g…

  3. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 39

    39' war jung und damals blickte ich anders in die Welt und in die Natur. Jetzt ist's nicht mehr so. Auch mir erschien, fügte er, mit der Hand auf den Himmel zeigend, hinzu, auch mir erschien hier Alles heiter und licht,aber mit den Augen se…

  4. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

    40 nach dem herrschenden Volk, aber der niedere Adel, der Beamtenstand und der Bauernstand bot in dieser Beziehung nichts dar, was der Nachahmung werth war. In Hausen zusammengedrängt, auf engen Raum, sind sie nicht im Stande, sich aus dem …

  5. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 41

    41 Männern von unabhängiger Meinung, von verständiger und zeitgemäßer Richtung verfuhren fie hart. Jedoch das Rechte trug nach und nach den Sieg davon. Die Bildung fand sogar Anhänger in den Häusern reicher Chafsidim, und der Ehassidismus w…

  6. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 42

    42 nicht begriffen. Geschah dies durch die Ränke reicher Egoisten, welche ihren Einfluß nicht verlieren wollten, oder aus der eigenen Neigung der Beamten, welche in jedem der einen Charakter hatte, und nicht auf fünfzig Schritte den Hut abn…

  7. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

    43 wirklich erstaunenswerth. Der Alte machte mich mit mehreren Beispielen bekannt. Einmal ward ein Leichnam gefunden. Herbei ritt ein Polizeibeamter, stellte Wachen und machte die Anzeige in der Kreisstadt. Während die zeitige Abtheilung zu…

  8. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 44

    44 andern Gasthaus, fünf Werst davon, dort speiste man bereits zu Abend, wieder derselbe Auftritt, und abermals Halb-Jmperiale. So fuhr er mit dem Leichnam die ganze Nacht und den folgenden Tag herum*) und erhob überall von den Ebräern Geld…

  9. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 45

    45 bewegungen ihre Lectionen vor den finstern Melamdim wieder holten, welche allen Regeln der Gesundheit wie der moralischen und der geselligen Gesetze zuwider, die jungen Köpft mit ihren kurzsichtigen asketischen Lebensanschauungen die Köp…

  10. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 46

    46 einen gewissen Mendelssohn, mit welchem er ihn habe zusammen vernehmen wollen, um die ganze Wahrheit aufzudecken, versteckt habe. Nachdem er mit dem Lehrer fertig war, begab sich der Landrichter zu den Eltern, welche sich erkühnten, die …

  11. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

    47 glucks wissen. Dort ist es wenigstens viel leichter für sie, einen Mann zu finden, als hier. Und dann, wenn ich sterbe, während sie heranwächst; — das ist sogar höchst wahrscheinlich, mein Leib ist von Jahren und Leiden entkräftet, — wer…

  12. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 48

    48 unglückliches Loos vergessen. Nehmet meinen letzten Kuß. Wir werden uns wahrscheinlich nie wieder sehen. Wer kann das wissen? sprach ich. Obgleich Geschäfte sür mich in dieser Gegend wohl nicht wieder vorausjusehen, doch .... der Handels…

  13. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 49

    49 Nicht möglich, antwortete er, — er ist sehr schwach und kann niemand annehmen. Da, belieben Sie zu sehen, ich gehe mit dem Recept zur Apotheke. Nicht doch, sprach ich, laß mich nur. Er wird sich über mich fteuen, wir sind alte Freunde. W…

  14. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 50

    50 Bei diesem Worte sah ich sowohl den Soldaten als den Doktor scharf an. Welchen Vater? Wessen Vater? fragte ich zweifelnd. Entschuldigt, sprach der Doktor, auf meine Frage nicht antwortend, der Kranke ist in solchem Zustande, daß niemand …

  15. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 51

    51 zu hoffen war, betrat ich das Zimmer, welches ich seit zehn Jahren nicht gesehen hatte, aber das ich mir seitdem oft im Gedächtniß vorstellte. Derselbe Tisch mit Büchern, zu denen noch einige neue hinzugekommen waren, derselbe Kasten im …

  16. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 52

    52 sein einziges Kind noch wiedersehen, er habe auch immer noch auf dies unaussprechliche Glück gehofft, sich darnach gesehnt! — Der Arme, arme Mann! Ihm war es bestimmt, den Becher der Leiden bis aus den letzten Tropfen auszutrinken. Die e…

  17. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 53

    53 -mehr oder weniger — sie wird mit ^dem mach seiner Art fertig. — Ich schwieg. Unwillkührlich flössen Thränen über meine Wangen. Nun, mit mir hat sie ihre Rechnung abgeschlossen, fuhr der Greis fort. Es ist aus.... Ich habe meine ganze Sc…

  18. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 54

    54 her erfuhr, auch wirren. Der Kleine löste den ab, welcher am Bette des Kranken saß, und der, welchen ich mit dem Recept getroffen hatte, machte sich ein nicht sehr bequemes Lager auf dem Boden, nobe beim Kranken; das thaten auch die beid…

  19. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 55

    55 Es sind Poim aniki (Aufgegriffene), sprach der Alte. Ich machte eine fragende Bewegung mit dem Kopf, weil mir dies Wort völlig neu war. Bleibet ruhig, Vater, sprach der Doktor, weil er sah, daß der Kranke sich sammelte, um mir zu antwort…

  20. 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 56

    56 und jeder, welcher konnte und Menschen brauchte, kaufte sie auf. Es war gefährlich, sich eine halbe Werst weit ohne Paß zu entfernen, weil jedem das Schicksal bevorstand, aufgegriffen und unter die Rekruten gesteckt, oder nach andern Ort…