Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Bei diesem Worte sah ich sowohl den Soldaten als den Doktor scharf an. Welchen Vater? Wessen Vater? fragte ich zweifelnd. Entschuldigt, sprach der Doktor, auf meine Frage nicht antwortend, der Kranke ist in solchem Zustande, daß niemand . Uebrigens, bleibet, setzte er hinzu, sich leicht mit der Hand vor die Stirn schlagend und mich von oben bis unten -aufmerksam betrachtend; seid so gütig mir zu sagen, wen ich das Vergnügen habe, vor mir zu sehen? Ich nannte meinen Familiennamen. - -Herr Gott! rief er, das dachte ich , an beiden Händen mich fassend. — Ihr seid jener junge Freund, von welchem 'der- Alte mir beständig erzählte, als er noch.nicht so schwach war. Er wiederholt auch jetzt oft euren Namen. Also ihr seid der? O Vater, Vater! Wenn doch die Gegenwart des alten Freundes, welcher -einst deine bittere Einsamkeit verschönte, noch deine letzten Augenblicke versüßen könnte! — Wir nennen ihn alle Vater, ich und der Soldat., und der, welcher in der Stube an seinem Bette sitzt, und noch zwei andere, welche ihr wahrscheinlich noch sehen werdet. Wer seid denn ihr? wenn man fragen darf, sprach ich. Ich bin Arzt, wie ihr schon vernommen habt, antwortete der junge Mann. Ich bin der Arzt, welcher seinen jetzigen Beruf unserm gemeinsamen Freunde verdankt. Derselbe, setzte er mit unbeschreiblichem Schmerz in Augen und Stimme hinzu, welcher einst seine ältere Tochter heirathen sollte. Wir drückten einander die Hand. Gehen wir in die Wohnstube, fuhr der Doktor fort; — eure Gegenwart wird den Kranken nicht beunruhigen. Er schläft, wie es scheint. Es kann ihm dagegen nützen, wofern noch irgend eine Möglichkeit vorhanden ist, daß jemand in -der Welt ihm nütze. Betrübt durch diese letzten Worte des Doktors, aus denen ich leicht begriff, daß für das Leben des Kranken noch wenig