Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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49 Nicht möglich, antwortete er, — er ist sehr schwach und kann niemand annehmen. Da, belieben Sie zu sehen, ich gehe mit dem Recept zur Apotheke. Nicht doch, sprach ich, laß mich nur. Er wird sich über mich fteuen, wir sind alte Freunde. Was es auch sei, es geht nicht, antwortete der Soldat. Er hat eine qualvolle Nacht zugebracht, und war den ganzen Tag sehr übel daran. Jetzt ist er ein wenig still geworden, möglich, daß er schläft. Es geht nicht. Ist er etwa schwer krank? stagte ich unruhig. Schwer, erwiderte der Soldat, sehr schwer. Gott-weiß, ob er von dieser Krankheit wieder auflommt. Um so , mehr wünsche ich ihn zu sehen, sprach ich , stark bewegt durch die Worte des jungen Soldaten. Vielleicht,' wenn er mich sieht, wird ihm besser, vielleicht.... Der Soldat winkte (verzweifelnd) mit der Hand. Ei, von solchen Dingen wird man nicht gesund, setzte er hinzu. Er erkennt niemand mehr. Wenn Sie sein Freund sind, gehen Sie jetzt lieber fort, lassen Sie ihn ruhen. Kommen Sie ein anderes Mal wieder. Ich war im Begriff, dem Soldaten zu folgen, ich freute mich sogar, daß er um den Alten so besorgt war, und unzeitige Besuche von ihm abhielt. Aber die Thür des Wohnzimmers öffnete sich leise, und heraus trat ein junger Mann von 30 Jahren, groß, stattlich, breitschulterig mit einem verständigen, wohlwollenden Gesichte. Bekleidet war er mit schwarzem Oberrock, welcher, zugeknöpft an allen Knöpfen, seine schönen Formen hervortreten ließ. Sein Haupt war unbedeckt und sein schwarzes krauses Haar, mit geringer Sorgfalt zurückgekämmt, gab dem anziehenden Gesicht einen eigenthümlichen, nachdenklichen Ausdruck. Da, Herr Doktor, sprach der Soldat, sich zu dem jungen Manne wendend, denken Sie einmal, sie wollen alle unsem Vater sehen. i. 4