Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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45 bewegungen ihre Lectionen vor den finstern Melamdim wieder holten, welche allen Regeln der Gesundheit wie der moralischen und der geselligen Gesetze zuwider, die jungen Köpft mit ihren kurzsichtigen asketischen Lebensanschauungen die Köpft erMten. Da einmal jeder Ebräer sein Gesetz und die heilige Schrift kennen muß, so war man genöthigt, sich mit den armseligen Mitteln, welche die Chadarim darboten, zu behelfen. Der Lehrer aber, von welchem hier die Rede ist, führte Verbesserungen und Ordnung in den Unterricht ein. Er brachte der Jugend nützliche Kenntnisse bei und bewahrte sich als tüchtiger Erzieher. Der gebildetere Theil des Ortes, das heißt der nun-, der bedeutende an Zahl und Einfluß , war für ihn begeistert, dagegen haßten ihn die Chassidim und wollten ihn durch jedes Mittel fortschaffen. Es fanden sich einige, welche über ihn aussagten, er lehre aus Büchern, welche von der Censur verboten seien. Es erscheint zur Untersuchung der Polizeirichter, den, wie es heißt, die Obfturanten vorher gut beschenkt hatten. „Wie kannst du aus verbotenen Büchern lehren?" schrie dieser den Lehrer an. — Welche verbotenen Bücher? antwortete der Lehrer. Hier überzeugen Sie sich. Hier ist die allgemeine Geschichte, hier Arithmetik u. s. w. „Aber das da, was ist das?" fuhr der Richter fort. — Das ist die Bibel mit Mendelssohns Uebersetzung. — „Wer ist der Mendelssohn? Was ist er?" schrie der Landrichter. „Wahrscheinlich — so ein Spitzbub und Dieb wie du! Wo ist er? schaff ihn her!" — Wie kann ich ihn herschaffen? er ist schon lange todt, erwiederte der Angeklagte. — „Du lügst! er ist versteckt," tobte der Richter, „schafft ihn her, er muß sich hier mit dir zusammen einstellen! O ihr Empörer, Hallunken! Was! sich mit einem Mendelssohn verbinden und dann von ihm nichts wissen wollen! Nun, ich schicke dich vor's Gericht, da wirst du schon anders pfeifen!" Und somit schickte er den Lehrer geschoren und gefesselt zum Gericht, mit dem Rapport, daß er, wie es heißt, hartnäckig widerstrebe und seinen Mitschuldigen,